| Jahr |
Die Geschichte der Stadt Memel |
| 1160 |
Erwähnung von ersten Deutschen Kaufleuten an der Düna |
| 1198 | Gründung des Ordens |
| 1252 |
wird Memel vom livländisehen Schwertbrüderorden unter dem Deutschmeister Eberhard von Seyne von Kurland aus gegründet.
Die Stadt ist also drei Jahre älter als die ostpreußische Hauptstadt Königsberg i.Pr. |
| 1257 |
erhält Memel das lübische Recht, wird zum "Memele castrum" (Memelburg). |
| 1328 |
Der Schwertbrüderorden tritt Memel an den Deutschen Orden ab, die Burg und Siedlung wird zur nordöstlichsten Stadt des Ordens- und später Preußenstaates. |
| 13/14 Jahrh. |
Viele Jahrzehnte hat Memel die zerstörerischen Auswirkungen der wiederholten kriegerischen Auseinandersetzungen des Ordens mit den Litauern zu ertragen (Zielsetzung: Christianisierung der letzten heidnischen Völker in Europa).
Die Stadt wird immer wieder zerstört und wiederaufgebaut.
Nach der verlorenen Schlacht bei Tannenberg im Jahr 1410 zwischen dem Orden und dem vereinigten Königreich Polen und Litauen, die den langsamen Niedergang des Ordensstaates einleitet, wird. |
| 1422 |
Im Frieden vom Melnosee wird die Grenze des Ordensstaates festgelegt. Ab diesem Zeitpunkt ist die Ostgrenze des späteren Ostpreußen unter Einschluß von Memel bis 1923 unverändert. Sie zählt zu den stabilsten in Europa. |
| 1474 |
erhält Memel das Kulmer Recht, das Recht der preußischen Landstädte. |
| 1525 |
Preußen wird durch den übertritt des Hochmeisters Albrecht v. Brandenburg zum lutherischen Glauben evangelisch. Memel wird herzogliches Hauptamt, verwaltet von einem Amtshauptmann und untersteht bis 1723 dem Kreis Samland. |
| 1540 |
Großer Brand in Memel. Danach Beginn des Ausbau der Festung Memel. |
| 1541 |
Erster Schiffbau in Memel durch holländische Einwanderer. |
1567 |
hören wir erstmals von Juden in Memel. |
| 1629-35 |
Im 30-jährigen Krieg erhält die Stadt für sechs Jahre eine schwedische Besatzung. |
| 1678 |
wird Memel von den Schweden im Nordischen Krieg völlig eingeäschert, der Wiederaufbau dauert Jahrzehnte. |
| 1709-11 |
Große Bevölkerungsverluste durch die Pest im nordöstlichen Preußen. Die Entvölkerung wird durch die preussischen Könige mit Religionsflüchtlingen (Hugenotten, Salzburger) und starken Einwanderungen litauischer Bauern ausgeglichen. |
| 1723 |
Eingliederung Memels in das litauische Kammerdepartment Gumbinnen. Einsetzung, eines I.Bürgermeisters. Friedrich
Wilhelm I forciert den Festungsbau in Memel. |
| 1756-62 |
Im siebenjährigen Krieg sechs Jahre lang eine russische Besatzung in Memel. |
| 2.Hälfte d.18.Jahrh. |
Wirtschaftliche Entwicklung der Stadt besonders durch " die Holzausfuhr und die beginnende Holzindustrie. |
| 1807-08 |
wird Memel Herberge für die preußische Königsfamilie und Regierung auf der Flucht vor Napoleon. |
| 1818-78 |
gehört Memel zum Reg.-Bezirk Königsberg. |
| 1.Hälfte d.19.Jah. |
Entwicklung eines bedeutenden Segelschiffbaus und -Reederei. |
| 1854 |
Großbrand in Memel. Vernichtung weiter Teile der Stadt. Zügiger Wiederaufbau und kontinuierliche wirtschaftliche Entwicklung. |
| 1871 |
wird Memel die nordöstlichste Stadt des neugegründeten Deutschen Kaiserreiches. |
| März 1915 |
Besetzung der Stadt durch die Russen für wenige Tage. |
| 1915 |
Daraus resultiert die begründete Patenschaft der Stadt Mannheim für Memel, die nunmehr seit 73 Jahren besteht. |
| 1919 |
Durch den Versailler Vertrag als Abschluß des I.Weltkrieges wird das neu gebildete Memelgebiet ohne Volksabstimmung von Ostpreußen und dem Deutschen Reich abgetrennt . |
| 15.2.1920 |
§ 99 des Versailler Vertrages tritt in Kraft:
1920 Das Memelgebiet umfaßt 2.657 qkm mit einer Bevölkerung von ca.140.000
Einwohnern. Es wird aus den Landkreisen Memel, Heydekrug und dem neu gebildeten Landkreis Pogegen gebildet, eingeschloßen ist der nördliche Teil des Kurischen Haffs und der Nehrung.
Die kreisfreie Stadt Memel hat zu diesem Zeitpunkt 32.266 Einwohner. Es kommt zur Bildung einer autonomen deutschen Verwaltung mit einer französischen Besatzung bis zum |
| 17.1.1923 |
gewaltsamen Einfall litauischer Frei schärler. Die Franzosen ziehen sich zurück, das Memelgebiet wird Litauen angegliedert und erhält ab |
| 25.8.1925 |
nach langwierigen Verhandlungen durch den Völkerbund eine Konvention und ein Autonomie-Statut ähnlich wie Danzig - mit Doppel sprachigkeit Deutsch und Litauisch. Dies alles geschieht gegen den ausdrücklichen Willen der überwiegenden Mehrheit der Memelländer. Fünf Landtagswahlen in den Jahren bis 1938 geben in ihren Ergebnissen davon Zeugnis. |
| 17.12.1926 |
Litauen verhängt den Kriegszustand im Memelgebiet. Bereits 1923 setzt ein Volkstumskampf ein, der sich mit Unterbrechungen bis 1938 hinzieht. Bis 1931 bewegt er sich noch innerhalb der gesetzlichen Normen, danach wird von beiden Seiten ein immer radikalerer Kurs eingeschlagen.
Aufgrund der politischen Entwicklung im Deutschen Reich und in Mitteleuropa in den 30er Jahren wird die Stellung Litauens in der Memelfrage unhaltbar und das Memelgebiet daher am |
| 23.3.1939 |
aufgrund eines rechtlich einwandfreien Staatsvertrages von Litauen an das Deutsche Reich zurückgegeben. |
| 28.1.1945 |
Die bereits im Oktober 1944 von der Bevölkerung geräumte
Stadt Memel wird von den deutschen Truppen nach starken Zerstörungen während der vorangegangenen Kämpfe aufgegeben.
Die Stadt hatte 1944 ca. 40.000 Einwohner, das ehemalige Memelgebiet insgesamt 134.000 Einwohner (Fortschreibung, keine genaue Volkszählung - ohne Militär).
Seit 1947 ist die Stadt durch sowjetisches Gesetz in Klaipeda (eine alte litauische Bezeichnung, die zwar auch schon im 19.Jahrhundert in der preußischen Verwaltung zeitweise Verwendung fand, aber erst 1925 von den Litauern offiziell eingeführt wurde) umbenannt und zusammen mit dem ehemaligen Memelgebiet in die litauische Sowjetrepublik (LTSR) eingegliedert worden.
Die endgültige Friedensvertragsregelung für Deutschland und damit für Ostpreußen einschl. Memel und dem Memelgebiet steht noch aus. |
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gez. Dr.Gerhard Willoweit, Mainz Dezember 1988 |
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