1944 von der sowjetischen Armee erobert, heute der litauische "Silutes rayonas"
Im Friedensvertrag am Melno-See 1422 erfolgte die Festlegung der Grenze im Nord-Osten des preußisch-litauisch-polnischen Raumes, die die älteste Grenze Europas wurde und über 500 Jahre bestand. Sie bildete auch die Grenze des Kreises Heydekrug im Osten.
Im 17.Jahrhundert läßt sich bereits eine größere Zahl von Handwerkern in dem Gebiet um Heydekrug nieder, aber durch schwere Verwüstungen während der Schwedenzeit 1650, in der viele Bauerndörfer gänzlich eingeäschert wurden, und durch die Pest 1709/10 wird der Aufbau stark gemindert. So entwickelte sich die Kolonisation des Gebietes um Heydekrug nur langsam und bleibt gegenüber den anderen Gebieten um Memel und Tilsit zurück.
Die Einwohnerzahl vom Amt Heydekrug wird für 1730 mit 1886, 1742 mit 2601 und für das Amt Russ 1750 mit 4254 angegeben. Ungünstig auf die Besiedlung des Kreisgebietes wirkte sich die 1731 nicht durchgeführte Stadternennung von Heydekrug aus.
Ein rapides Sinken der Einwohnerzahl verursachte der Siebenjährige Krieg durch die russische Besetzung 1757/62, und die eingeschleppten Krankheiten, Flecktyphus und Syphilis, die über 8000 Menschen im Memelschen Distrikt dahinraffte.
Einen Aufschwung gab es erst wieder durch den Holzhandel, der sich in Memel entwickelte und von dem, seiner günstigen Lage am Memel- und Rußstrom, besonders Russ profitierte.
Auf Veranlassung von Friedrich dem Grossen wurden Neusiedler in den Mooren angesiedelt, die die Torfgewinnung beachtlich förderten.
Diese erfreuliche Neubesiedlung der Gebiete Ostpreußens erforderte eine strengere Gliederung der Verwaltung.
Doch erst nach den Befreiungskriegen 1812/13 konnte die Neueinteilung des preußischen Staates in Kreis- und Regierungsbezirke verwirklicht werden.
Der am 18. Sept.1818 neu gebildete Kreis Heydekrug bestand aus den Kirchspielen Werden, Kinten, Gaitzen, Kioschen, Klumben, Kogsten, Lampsaten, Matzken, Michelsakuten, Pauren, Prätzmen, Raudszen, Rogaischen, Szienen dazu die Kirchspiele Kalleninken und Schakuhnen mit Karkeln auf der südlichen Seite des Rußstromes.
Die neue Kreisordnung brachte vermehrte Arbeit und so wurde der Bau eines Landratsamtes beschlossen und 1876 bezogen. Der erste Zustandsbericht über den Kreis fällt in Bezug auf die
Landeskultur und Industrie sehr bedrückend aus, denn beide sind erst im Entstehen. Für die Justiz wird 1845 das Gerichtsgebäude mit Gefängnis fertiggestellt und mit dem Bau der Katholischen Kirche begonnen.
Als erste Volksschulen werden die Schulen in Russ und Werden um 1583/88 genannt. Doch nur 20 Schulen gab es im Kreis die sich in den nächsten 50 Jahren mehr als verdoppelten und sich ständig verbesserten. Bereits 1919 gab es 76 Schulen im Kreis mit über 7471 Schülern und seit 1875 amtierte ein Kreisschulinspektor. Aus der großen Schülerzahl ergab sich die Notwendigkeit einer höheren Schule, die 1864 als höhere Knabenschule gegründet wurde. 1918 ging aus ihr auf völlig neuer Grundlage die Herderschule, eine Oberschule für Jungen hervor. Bereits seit 1897 bestand eine landwirtschaftliche Schule. Für die jüdische Gemeinde wurde 1857 eine Synagoge mit Badehaus in Russ und 1863 in Heydekrug gebaut und ein Friedhof 1837 in Russ angelegt. Dieser mußte 1844 aufgeben und in Heydekrug neu angelegt werden.
Der Kreis Heydekrug hatte nach der Volkszählung 1904: 40510 Evangelische, 1716 Katholische, 302 Dissidenten, 250 Juden.
Wirtschaft und Handel litten Anfang des 19. Jahrhunderts noch stark unter den Kriegs- und Unglücksjahren von 1806/13, dazu kamen schlechte Ernten, Überschwemmungen und Krankheiten und die von polnischen Revolutionstruppen eingeschleppte Cholera.
Der Krim-Krieg brachte durch die Sperrung der russischen Häfen für den Handel nach oder von Memel über die Wasserstraßen längst der Memel, dem Kurischen Haff und der Ostsee große Vorteile.
1841 befuhr das erste Dampfschiff die Memel. Der Holzhandel und die Holzflößerei blühten und bei Brionischken und Ruß entstanden 3 neue Dampf Schneidemühlen.
1842 wurde die erste Käsefabrik im nördlichen Ostpreußen gegründet.
1862 mußten die Holzfloß-Spediteure durch Verlust von 24 Flößen einen größeren Schaden von 70000 Talern hinnehmen. Dieser Verlust gab den Anlaß zum Bau des König-Wilhelm Kanals, zur Umgehung der Windenburger Ecke, der 1873 eröffnet wurde.
Obgleich erneut Krankheiten und Mißernten Rückschläge brachten, gab es doch Fortschritte und die Bevölkerung wuchs im Kreis Heydekrug von 16732 im Jahre 1816 auf fast 40000 im Jahre 1919.
Verbesserungen gab es für Handel und Wirtschaft durch den Ausbau der Kreisstraßen, wo nach der Chaussee Memel-Tilsit die Kreisstraßen nach Russ und Kollezischken ausgebaut wurden.
1855 war die Telegraphenverbindung von Tilsit nach Memel fertig und Heydekrug erhielt 1862 ein Telegraphenamt.
Die Bahnlinie Tilsit-Memel wurde 1872 begonnen und 1875 mit der Memelbrücke eingeweiht.
Auf dem offenen Wasser verkehrten die Dampfschiffe von Memel nach Heydekrug, Tilsit und Königsberg.
Die Entwicklung blieb nicht stehen. Es gab Fortschritte in der Besiedlung und Kolonisation der Moor- und Heideflächen, Die Ostpreußische Torfstreufabrik in Trakseden wurde 1882 gegründet, und 1888 wurde mit der Kolonisierung des Augstumalmoores begonnen.
1912 wurde die Kleinbahn Heydekrug - Kolleschen in Betrieb genommen und 1914 erfolgte der Bau der Petersbrücke bei Ruß über die Ruß. Es folgte der Ausbau des Heydekrüger Hafens der 1918 Kleinbahnanschluß bekam. All diese großen Arbeiten zur Verbesserung der Verbindungen brachten Arbeit und Aufschwung und der Heydekrüger Markt war Mittelpunkt und Ausdruck des Erfolges.
Der Kriegsbeginn 1914 brachte alles ins Stocken und der Einfall der Russen zusätzlich Rückschläge und Verwüstungen. Durch Wiederaufbauhilfe Lübecks, der Patenstadt von Heydekrug, konnte durch eine Spende in Höhe von 90000 Mark die größte Not abgewendet und der Bau der Kleinsiedlung "Klein Lübeck" finanziert werden.
1919 verlor der Kreis Heydekrug durch den Versailler Vertrag 30 Dörfer südlich des Rußstromes, die bei Deutschland blieben und zum Kreis Niederung mit etwa 8000 Einwohnern kamen. Außerdem wurden kleinere Kreisteile dem neu gebildeten Kreis Pogegen zugeschlagen. All diese Gebiete waren in steuerlicher Hinsicht der wertvollere Teil des Kreises. Der Memelstrom wurde nun zum Grenzstrom.
1923 erfolgte die widerrechtliche Besetzung des Memelgebietes durch Litauen.
Mit der Einführung der litauischen Währung sank der Lebensstandard, denn die Absatzgebiete jenseits der Grenze nach Deutschland fehlten und die Landwirtschaft konnte ihre Überproduktion nicht verkaufen. Auch die Industrie entwickelte sich nicht weiter.
Dazu kam 1926/27 ein besonders harter Winter und eine Hochwasserkatastrophe ungeahnten Ausmaßes.
1939 kehrte das Memelland und damit auch der Kreis Heydekrug nach 16 Jahren
wieder zum Deutsche Reich nach Ostpreußen zurück. Und im August des gleichen Jahres erhielt der Kreis seine alten Gebiete wieder zurück, da der nach 1919 künstlich geschaffene Kreis Pogegen wieder aufgelöst wurde.
Am 27. September 1941 erhält die Landgemeinde Heydekrug endlich Stadtrechte.
Diesem wieder deutschen Kreis blieb aber nur eine kurze Zeit beschieden. Als Folge des 2. Weltkrieges, der 1939 begann, eroberten 1945 die Sowjets ganz Ostpreußen und damit auch den Kreis Heydekrug.
Heute ist Heydekrug (lit. Silute) die Bezirksstadt des litauischen Bezirks Silutes rajonas in dem Großkreis Klaipeda der Republik Litauen.
Dieses ist lediglich eine Kurzfassung der Kreisgeschichte. Eingehend und ausführlich wird sie in dem
von H.A. Kurschat geschildert.