Allerlei Fischnetze aus dem Memeldelta
Die Vielfalt
der Fischarten unserer Heimat mit ihren unterschiedlichen
Lebensgewohnheiten sowie die jeweiligen Wasser- und Witterungsverhältnisse
bedingten verschiedene Fangmethoden, was wiederum eine Vielfalt von
Fischereigezeugen erforderte. Die
Wahl der Gezeuge hing wesentlich von der Möglichkeit ab, sich diese Gezeuge
anschaffen zu können.
Für einen Anfänger war die
Anfertigung von. Reusen das Nächstliegende. An den Ufern der Gewässer, in Gräben
und Tümpeln wuchsen unzählige Weidensträucher, die teils mit, teils ohne
Erlaubnis des Grundeigentümers geschnitten werden konnten. Für den
Neunaugenfang wurden kleine runde Reusen geflochten. Für den Weißfischfang hatte
man dieselbe Form, aber in größerem Format. Die Aal- und Quappenreusen
waren im Querschnitt halbkreisförmig und aus langgelegten, drahtverbundenen
Ruten; sie waren durch zwei „lnkeln“ in zwei Fangräume geteilt.
Vor dem Auslegen wurden die Reusen in größeren Abständen
hintereinander an einer Barballe immer zu je vier Stück zu einem Pant verbunden.
Barballen waren aus Birkenruten geflochtene Seile, die man von den
Holzflößern für einige Groschen kaufen konnte. Später benutzte man dazu auch
Zaundraht. Pant ist die Fachbezeichnung einer Verbindung von zwei Wentern oder
vier Reusen.
Die
Neunaugen- und die Aal- und Quappenreusen wurden mit einem Stein in der
Fahrrinne versenkt. Die Weißfischreusen wurden am Wasserkraut ausgelegt, sie
waren mehr für die Tagesfischerei bestimmt. Um aber eine größere Menge
Weißfische hineinzulocken, mußte an jedem Morgen geknetetes Brot als Köder in
die lnkel, also in das Geflecht hineingedrückt werden.
Mit der Abnahme des Fischbestandes wurde diese Art der Fischerei
unrentabel. Auch der Aal- und Neunaugenfang mit Reusen lohnte sich nicht
mehr. Die Reusen wurden nur noch im Herbst zum Quappenfang benutzt und
blieben bis zur Grundeisbildung im Wasser.
Fischer
beim Reusenflechten
Die
Anschaffung der Netze war schon schwieriger. Die Baumwolle hatte in den
Betrieben unserer Vorfahren noch nicht Eingang gefunden. Die feinsten Netze
wurden aus Flachs, die gröberen aus Hanfgarnen gestrickt.
Hanf und
Flachs wurden im Eigenanbau gewonnen. Wo eine Jauje zum Brechen der Hanfstengel
nicht erreichbar war, wurde der Hanf über einer Grube, in der Torfglut glühte,
brechmürbe gedörrt. Das Spinnen des gesäuberten und gekämmten Hanfes besorgten
alte Frauen für kargen Lohn oder Naturalien. Der Hanfspinnwocken war größer
aus der Wollwocken. Ebenso betätigten sich alte Fischer, die nicht mehr selber
fischen konnten, als Netzstricker. Für den Handel strickten Gefangene in den
Gefängnissen.
Der
Wenter
Der Wenter
ist ein konisches Fangnetz, das durch vier kreisförmige Bügel gespannt ist. Es
besteht aus dem Vorderteil, dem Widmant, der Stagin und der Schnauze. Durch die
beiden trichterförmigen Inkel ist er in zwei Kammern unterteilt. Er wurde in
allen Größen und Maschenweiten angefertigt und konnte nur aus stehendes
Gezeuge benutzt werden.
Wenn in das Vorderteil des Wenters eine schräggestrickte
Zunge hineingenäht wurde und diese durch einen 2—6 m langen Flügel — die
Skrelle — verlängert wurde, nannte man das einen Zungenwenter.
Zwei
Zungenwenter konnte man wiederum durch Zusammennähen der beiden Flügel
oder auch durch einen langen Flügel zu einem Pantell verbinden. Wurden am
Vorderteil eines Wenters, und zwar am großen Bügel, zwei Flügel angebracht,
die beim Einstellen als Fangarme ausgebreitet wurden, nannte man es einen
Flügelwenter. So waren z. B. alle Stint- und Neunaugenwenter
Flügelwenter.
Zwei
Zungenwenter konnte man wiederum durch Einsetzen einer Zwischenkrelle am
linken Flügel des einen und am rechten Flügel des anderen Wenters zu einem Pant
verbinden.
Die anderen beiden Flügel wurden durch eine
untere Leine verbunden und stellten solcherart ein halbgeöffnetes Tor dar, durch
den die Fische bis zur gegenüberliegenden Netzwand hineinschwammen und nun, nach
einem Ausweg suchend, in die beiden Wenter schlüpften.
Ein Pant war
nur für stromab ziehende Fische verwendbar, während ein Pantell in beiden
Richtungen fangfähig war. Panten wurden nur im Großformat
angefertigt.
Flügellose Wenter waren die Ukleistaginnen und die
Versenkwenter, die in den tiefsten Stellen möglichst an steilen Uferbänken für
den Aal- und Welsfang versenkt
wurden.
Das
Zugnetz
Es war das
größte Netz, etwa 200 m lang und 7 m tief. Es bestand aus 6—8 m langen
Teilstücken, den Ploten, und dem Sack oder Metritsch. Durch die Unterteilung
konnte es nach Bedarf verlängert oder verkürzt werden, und bei großen
Rissen konnten einzelne Ploten ausgewechselt werden.
Eine Abart
des Zugnetzes war der Windotinnis, mit dem in stillen Gewässern und
im Haff gefischt
wurde. Dieses Netz wurde von zwei Kähnen aus mit einer Winde herangewunden,
deshalb auch der Name „Windotinnis“. Die beiden Knüppel an den Enden — Butten
genannt — hielten auch beim Ziehen das Netz gespannt.
Das ertgmaschige Stintzugnetz,
das nur für die Saison zugelassen war, konnte durch weniger Besteinen und mehr
Bekorken für den Ukeleifang – zu den sogenannten Neschentinnis – umgestellt werden. Außerdem
gab es noch das kleine Gründelzugnetz, mit dem nur Gründel gefischt werden
durften, die dann in Fischkästen lebend gehalten wurden, um als
Angelhakenbesteck für Quappen- und Aalschnüre verwendet zu
werden.
Das maßgerechte Einseilen eines Zugnetzes und auch aller
anderen Netze wurdedurch ein
Stäbchen, den Messt, bestimmt. Auch den Abstand von Schlinge zu Schlinge nannte
man Messt.
Beim
Einseilen wurde das ausgestreckte Netz auf die Hälfte zusammengeschüttet und
nunmehr Dustin genannt. Die Maschen mussten genau senkrecht nach unten
fallen.
Die Zugnetzfischer wussten schon aus Erfahrung, daß
ein Hecht durch einen Sprung über das Netz der Umzingelung zu entkommen
versuchte. Eine Quappe schwang sich mit dem Schwanz über das Netz. Eine Zärte
legte sich flach auf den Grund und ließ das Netz über sich hinweggleiten. Je
nachdem auf welche Fischart es nun besonders ankam, mußten entsprechende
Veränderungen beim Besteinen oder Bekorken vorgenommen werden. Ein unebenes
Flußbett ist z. B. für die Zärtenfischerei keine gute
Fangstelle.
Das Staknetz oder Treibnetz
Es war ein
2 m breites Netz, das durch die beiderseitigen Gadern dreiwandig
gemacht und auf ein Meter Breite zusammengezogen wurde. Durch das
Zusammenziehen entstanden Beutel, in denen sich auch größere Fische
verwickelten und hängen blieben. Dasselbe Netz ohne Gadern nannte man
Stricktinnis.
Das
Ukeleitreibnetz war von der gleichen Beschaffenheit wie der Stricktinnis, nur
engmaschiger. Das Stinttreibnetz war ein engmaschiges Staknetz.
Beitrag im MD – ca.Feb.
1969-Nr.4 von Daniel
Mantwill