Fischerei im Memelland.

Küstenfischerei
Binnenfischerei
Fischereiaufsicht und Kurenwimpel
Einiges über Fischnetze
preußisches Fischereigesetz
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Das Memelland bot mit dem Kurischen Haff und seinem Anteil an der Ostseeküste günstige Voraussetzungen für die Fischerei. Dabei ist der Unterschied zwischen der Küsten- und der Binnenfischerei zur berücksichtigen. Hochseefischerei wurde bis 1945 von Memel aus nicht betrieben. Erst nach dem Krieg, zur sowj. Zeit, machten die Russen Memel zu einem Stützpunkt für die Hochseefischerei. Die Trawler und Fischfangmutterschiffe dieses sowjetischen Fischfangkombinats fuhren weit bis in den südlichen Atlantik hinaus. Doch heute existiert diese Flotte nicht mehr.


Küstenfischerei

Die Küstenfischerei in der Ostsee wurde von Nidden, Schwarzort, Mellneraggen und Karkelbek mit besegelbaren schweren Kähnen betrieben. Seit 1903 benutzten die Fischer von Bommelsvitte für die Küstenfischerei auch Motorkutter, die dann sogar mehrere Tage unterwegs waren.
Die Fischer von Nidden und Schwarzort gaben die Küstenfischerei in der Ostsee allerdings mehr und mehr auf und beschränkten sich auf die Haffischerei, die zur Binnenfischerei gehört.
In der Ostsee wurden hauptsächlich Dorsche, Flunder, Steinbutt und Lachse gefischt. Aber auch der Strömling und der Stint waren begehrtes Fanggut. Während die erstgenannten Arten bekannt sind, sollen die letzteren beiden hier kurz erklärt werden. Strömling wurde der Ostseehering genannt. Es handelt sich dabei um eine bis zu 20 cm lange Unterart des normalen größeren Herings.
Bei dem Stint (auch Spierling genannt) handelt es sich um einen kleinen Küstenfisch der nördlichen Halbkugel.(Auch im Haff vertreten.) Dieser Fisch wird bis zu 25 cm lang. Bei uns im Memelland wurde hauptsächlich die Süßwasserpopulation im Haff gefischt ( s. Binnenfischerei).
Nachdem im Jahre 1893 in Bommelsvitte am Walgum der Fischereihafen ausgebaggert und 1897 noch erweitert wurde, wuchs die Memeler Küstenfischerflotte bis zum ersten Weltkrieg auf 40 Fischkutter an, um zwischen den beiden Kriegen, zur litauischen Zeit, auf 30 zusammenzuschrumpfen. Daneben gab es aber über 100 größere und kleinere Fischerboote, die besonders zum ertragsreichen Lachsfang genutzt wurden. Ende des 19. Jh. hatte Memel alleine 46 Lachskutter, die bis zu 3000 Lachstreibnetze setzen konnten. Während der Fischfang vor dem ersten Weltkrieg noch recht ertragreich war, wurde es zwischen den Kriegen bereits schlechter. Aber noch 1922 wurden von Memel aus 8061 dz Fische gefangen. Besonders der Lachsfang ging bedingt durch Änderung der Fischwanderwege stark zurück. Der Dorschfang blieb dagegen konstant. Zeitweilig wurden bis zum Schluß Seestinte und Maifische (auch eine Heringsart, bei uns Perpel genannt) in großen Mengen an Land gebracht.
Die meisten dieser Memeler, besser gesagt Bommelsvitter Fischkutter sind zum Ende des Krieges über das Meer nach Westen geflüchtet, wo sich ihre Besitzer damit eine neue Existenz aufbauen konnten.


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Binnenfischerei

Während die Fischereibefugnis in der Küsten- und Hochseefischerei der konkurrierenden Gesetzgebung der einzelnen Staaten unterliegt, wurde das Fischereirecht in Binnengewässern seit alters her von der jeweiligen Landesherrschaft vergeben. Im frühen Mittelalter waren die sogenannten Regalien (nutzbares Hoheitsrecht wie Zoll-, Münz-, Markt- auch Jagd- und Fischereirecht) das Fundament der Reichsfinanzen. Diese Regalien gelangten seit dem 13. Jh. in die Hand der Landesherren und dann weiter in die Hände von Adelshäusern, Gütern und Gemeinden.
In Ostpreußen und somit auch in unserer engeren Heimat waren diese Regalien im Besitz des Ordens, des Herzogs, des Königs oder des Staates. Der Orden handelte bereits mit Aalen, Hechten, Lachsen und Neunaugen bis weit nach Polen hinein. Die Fischereigerechtigkeiten wurden vom Orden und später auch vom Herzog bzw. König zumeist an Krüger und Gutsbesitzer, manchmal auch Pfarrern recht sparsam verteilt.
Zum Beispiel besaß der Krug in Schwenzeln ein Privileg von 1509 für die Hechtfischerei. Ähnliche Privilegien besaßen die Krüge in Schäferei, Nidden, Schwarzort sowie die Güter Adl. Götzhöfen bis in das 20. Jahrhundert hinein. Aber schon zu damaliger Zeit regierte Geld die Welt und so konnte z.B. der Engländer Johann Scarlet 1685 vom Kurfürsten die Störfischerei pachten, hatte aber viel Ärger damit, weil ihm die einheimischen Fischer die Netze zerschnitten. In der späteren Zeit, im Zuge der preußischen Reformen erhielten die meisten Bauern, wenn sie an einem Gewässer wohnten, zu ihrem Landbesitz auch „einen Morgen Fischergrund“ verliehen.
Das Kurische Haff mit seiner Größe von 1620 ha und das Stromgebiet der großen und kleinen Flüsse konnten einen großen Fischreichtum aufweisen, der damit einem großen Anteil der Bevölkerung Arbeit und Einkommen verschaffte. Von den vorkommenden Fischarten seien hier folgende aufgeführt:Aal,Maifisch, Döbel, Stint, Zärte, Wels,Quappe, Barsch, Kaulbarsch, Hecht, Zander, Rotfeder, Ziege, Brachsen, Schnäpel, Plötz, Blei, Ucklei und schließlich nicht zu vergessen, die Neunaugen (es können auch noch mehr sein).
Diese vielen verschiedenen Arten bedingten unterschiedliche Fangmethoden. Die ältesten Fischfanggeräte sind wohl die Reusen. Das im Memelland am meisten verbreitete Stellnetz war der Wenter. Je nach der Fischart, die man zu fischen beabsichtigte, benutzte man Zungen- oder Flügelwenter, aber auch flügellose Wenter und Versenkwenter. Das größte verwendete Netz war das bis zu 200 m lange und 7 m tiefe Zugnetz. Die Zugnetze wurden hauptsächlich zum Fang von Stint und Ucklei genutzt. Es wurden aber auch Stak- oder Treibnetze verwendet. Für den Aal- und Quappenfang legte man Aalschnüre aus, auf deren Angelhaken kleine Besteckfische gesteckt wurden.
Eine besondere memelländische Spezialität waren geröstete Neunaugen. Neunaugen sind aalförmige Fische, die sich mit ihrem runden trichterförmigen Saugmaul an größere Fische heften und dann mit über 100 Hornzähnen Fleischfetzen und Blut aus dem Körper saugen. Die in unseren Flüssen vorkommenden Neunaugen erreichten eine Länge von 50 cm, in kleineren Bächen kamen sie ebenfalls vor, wurden aber nur bis zu 30 cm lang. Gefangen wurden sie mit sogenannten Neunaugenwarten in dunklen Septembernächten, wenn die Neunaugen stromauf zum Laichen zogen.
Im Winter wurde auf dem zugefrorenen Haff und den Strömen eine umfangreiche Eisfischerei betrieben. Entweder hackte man verschiedene Löcher in die Eisdecke, durch die man mittels Stangen Zugnetze unter das Eis brachte. Einfach aber eine einsame Arbeit war die Klapperfischerei.
In ein Eisloch steckte man Brett und trommelte auf diesem mit einem Schlegel. Die dadurch herbeigelockten Fische, hauptsächlich Stint und Quappen, wurden gestochen.
Für die Fischerei auf dem Haff benutzte man verschieden Formen von Segelkähnen: Keitel-, Bradden- und Kurenkähne, benannt nach dem Netz, das sie zogen.


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Fischereiaufsicht und Kurenwimpel

Die Küsten des Kurischen Haffes kamen im 13. Jahrhundert unter die Herrschaft des Deutschen Ordens und gehörten zu seinem Staatsgebilde. Die Fischerei in der Ostsee war frei und noch bis zum 20. Jahrhundert nicht reglementiert. Doch am fischreichen Kurischen Haff, wo allmählich Fischerdörfer entstanden, begann man ziemlich früh mit der Beaufsichtigung der Fischerei.
Bereits Ende des 14. Jahrhunderts werden Fischmeister erwähnt, die die Fischerei kontrollierten. Doch an die erlassenen Verordnungen hielt sich kaum ein Fischer, denn 1834 z.B. gab es für das gesamte Haff nur einen Fischmeister. Und so wurde ab 1. Januar 1843 die polizeiliche Beaufsichtigung des Kurischen und des Frischen Haffs der Königsberger Verwaltung unterstellt.
Der ehemalige Bürgermeister von Memel, Ernst Wilhelm Beerbohm zu Feilenhof bei Kinten wurde zum Oberfischmeister für das ganze Kurische Haff und die in dasselbe einmündenden Gewässer eingesetzt. Sein Sohn Wilhelm folgte ihm im Amt. Letzter memelländischer Oberfischmeister war Kapitän Karl Hockling. Das Oberfischmeisteramt wurde 1881 provisorisch und 1919 endgültig nach Ruß verlegt.
Unter den Oberfischmeistern standen die Fischmeister, die für mehrere Fischerdörfer zuständig waren. Der Fischmeister für Haffküste des Kreises Memel saß in Schmelz. Dem Fischmeister wiederum unterstanden Fischerschulzen als örtliche Fischereipolizei.
Dem ersten Oberfischmeister, Beerbohm, bereitete das Erkennen der Vielzahl von Kähnen, alle unter Segel, große Sorge. Alle sahen sich einander ähnlich. Ihm fiel der Gedanke eines besonderen Erkennungszeichens ein. Am 26. Juni 1844 wurde ein Beschluß der Verwaltung verlautbart. Dieses Datum gilt als Geburtstag der Kurenwimpel. Es wurde verordnet, daß alle Segelboote auf dem Kurischen Haff einen Wimpel an der Mastspitze zu hissen hatten. Er mußte mindestens 2 Fuß lang und 1 Fuß breit sein. Die Farben des Wimpels und ihre Zusammensetzung wurden für jedes Dorf am Haff konkret festgelegt. Nach dem ersten Weltkrieg wurden sie nicht mehr nach den gleichen, sondern nach verschiedenen Maßen produziert.
Die ersten Wimpel wurden aus Leinwand in Holzrahmen hergestellt, später aus Holzbrettchen oder einem Blechstück, das sich um eine Achse drehte. Jetzt konnte der Fischmeister schon von weitem erkennen, in welchem Ort der Fischer registriert war. Im Laufe der Zeit begannen die Fischer die auf den Masten gehißten Erkennungszeichen zu vervollkommnen. Wenn sie in ihren Kähnen stundenlang auf dem Haff lagen, vertrieben sie sich die Zeit gern mit Schnitzen. So entstanden auf dem Rahmen des Erkennungszeichens schmucke durchbrochene Kompositionen. Rings um das Haff wurde es regelrecht zu einer Volkskunst. Diese Wimpel gewährten einen Einblick in die Psychologie ihrer Schöpfer sowie in die neuen Kulturen, unter deren Einfluß sie standen. Die Werke entspringen der Phantasie der Fischer, die als einzige um deren verborgenen Bedeutung wissen.
Heute werden Kurenkähne nur noch für touristische Zwecke wiederhergestellt, deren Mastspitzen mit wunderschönen bunten Kurenwimpeln geschmückt sind. Außerdem haben die Kurenwimpel in unterschiedlichen Größen Einzug in die Souvenirläden der Nehrungsorte gefunden.

Quellen:

Zusammengestellt von Viktor Kittel - im Januar 2003

H.A. Kurschat – Das Buch vom Memelland

Memeler Dampfboot - Zur Geschichte der Kurenkahnwimpel


Kurenkahnwimpel
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