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Die Viehzucht

Für die Rinderzucht bietet das Memelland mit seinen weiten Niederungsgebieten ideale Bedingungen. Auch hier wurde bis 1944 nicht nur der eigene Bedarf gedeckt, sondern Schlacht- und Zuchtvieh ausgeführt.Vorherrschend war im Memelland das schwarzbunte Holländervieh, zu dessen Verbreitung und Veredlung die "Herdbuchgesellschaft zur Verbesserung des in Ostpreußen gezüchteten Holländer Rindviehs" beitrug.In das Herdbuch wurden nur Tiere eingetragen, die eine Kommission als zur Zucht geeignet befunden hatte.

Stierhaltungsgenossenschaften brachten auch den kleinbäuerlichen Züchter in die Lage, hochwertige Sterken auf den Markt zu bringen.

Der Rindviehbestand des Memellandes betrug ständig 60 - 70 000 Stück Allein in Heydekrug wurden 1899 fast 10 000 lebende Rinder mit der Bahn verladen. Im Kreise Heydekrug hatte sich neben der Schweinezucht eine erhebliche Kälbermast entwickelt. Die Intensität der memelländischen Rinderzucht konnte auch in der Abtrennungszeit beibehalten werden 1937 kostete eine Milchkuh in Memel durchschnittlich 292 Lit, in Litauen 157 Lit, was nicht nur einen Preis-, sondern auch einen Qualitätsunterschied dokumentiert. Der Jahresdurchschnitt 1937 für Gesamtlitauen (einschl. Memelland) betrug 1349,6 l Milch je Kuh, für das Memelland dagegen 2290,6 l je Kuh, also fast 70% mehr! Damit erreichten die memelländischen Kühe genau den ostpreußischen Durchschnitt!

Bei der 1944 viel zu spät angeordneten Evakuierung des Memellandes gelang es nicht, den Rindviehbestand nach Westen zu retten. Was an Herden noch über den Memelstrom getrieben werden konnte, fiel in Ostpreußen in die Hände der Russen. Die Schafzucht ging, seitdem australische und südafrikanische Wolle die Preise ruiniert hatten, ständig zurück. Im Memelland wurden besonders in den Kreisen Memel und Heydekrug noch rund 30 000 Schafe gehalten.

Von besonderer Bedeutung war die memelländische Schweinezucht. Englische und veredelte deutsche Rassen hatten in den letzten Jahrzehnten das alte ostpreußische Zuchtschwein verdrängt, das zwar genügsam war, aber langsam reifte und viel Fett ansetzte. Der Markt aber verlangte froh-wüchsige Fleischschweine. In der Abtrennungszeit orientierte sich der litauische Markt infolge der deutsch-litauischen Spannungen vor allem nach England, für das gut durchwachsene Bacon-Schweine gezogen wurden. Der Schweinebestand verdoppelte sich von rund 50 000 im Jahre 1919 auf über 100 000 im Jahre 1922, konnte aber den Vorkriegsbestand von über 140 000 nie wieder erreichen.


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