Innerhalb der Stadtgrenzen des heutigen Klaipeda (der alten deutschen Stadt Memel) gibt es einen Stadtteil namens Gedminai. Dieses ist die litauische Bezeichnung für die ehemalige Landgemeinde Götzhöfen, die bis Januar 1945 drei km südlich der Stadt Memel lagen und aus den Gütern Götzhöfen und Neuhof sowie dem Dorf Klein-Götzhöfen bestand.
Wie viele ostpreußische Ortschaften verdankt die Gemeinde ihren Namen einem der ersten
Grundbesitzer. Dies waren ursprünglich verdienstvolle Söldner des deutschen Ordens, der sie für ihre Treue mit Landbesitz belehnte.
Wir haben jedoch eine erste namentliche Kunde aus dem Anfang des 16. Jh. über einen Besitzer namens Hans Gibbisch, dessen Grundstück Gibbischen-Höfchen dort lag, wo dann später das Gut Götzhöfen entstehen sollte. Der Besitz vergrößerte sich durch den Anschluß von Gedmin-Herde. Übrigens entstand aus diesem alten Gemarkungsnamen in der litauischen Sprache die oben bereits erwähnte Bezeichnung Gedminai für das spätere Gut Götzhöfen.
Unter dem folgenden Besitzer Wirgauder vergrößerte sich der Grundbesitz beachtlich, so daß seine Grenze im Norden bereits an die Krugländereien des Kruges -"Auf der Schmelze"- stieß.
Im Jahre 1657 verkauften die beiden Erben von Wirgauder, Anna Raschke und ihr Bruder Martin von Dehmen, das Land an den Amtshauptmann Friedrich von Götzen, durch den schließlich der deutsche Name Götzen-Höfen entstand. Mit über 500 ha gehörte es neben den Gütern von Prökuls und Baugskorallen zu den drei größten Gütern des Kreises Memel und sollte es als solches auch bis in das 19. Jh. bleiben. Dem Besitzer Friedrich von Götzen gehörten letztendlich sogar auch Tauerlauken, Kollaten, das Fischerdorf Schmelz und das Vorwerk Neuhof.
Diesen großen Besitz erbte der Leutnant Friedrich Ehrentreich von Götzen, der es 1635 an den Kaufmann Michael Eichert verpachtete.
1657 erhielt das Gut vom Kurfürst das adlig-kölmische Recht und 1707 vom preußischen König auch alle adligen Rechte eines adligen Rittergutes zuerkannt. Diese Rechte erwirkte sich der neue Besitzer, der Generalmajor Graf Boguslav Friedrich Reinhard von Dönhoff. Er war ein Verwandter von M. Eichert und hatte die Gutsländereien von F. von Götzen gekauft. 1721 verkaufte er es weiter und zwar dem Generalmajor und Kommandanten von Memel Baron Carl de Brion zusammen mit Wohn- und Brauhaus, 15 Bauern und dem Smelte-Krug. Doch noch im gleichen Jahr trat C. de Brion das Gut an den Baron Heinrich von Löwen ab, der die Witwe seines verstorbenen Bruders Jakob de Brion geheiratet hatte und mit ihr auch die von diesem angekaufte Besitzung Rumpischken erhielt.
Wegen der Kriege mit Schweden und Rußland und wahrscheinlich auch wegen mehrerer Mißernten litt die Landwirtschaft sehr. Die Barone von Löwen gerieten in Schulden und verloren den Gutsbesitz. 1779 erwarb den Götzehöfen der polnische Kammerherr Gottlieb von Gre-gorski. 1801 erbte das Gut seine Tochter Charlotte. Zu Ehren dieser Tochter wurde das Tauerlauker Vorwerk: " Charlottenhof" genannt. Graf von Werschowitz war der Gatte von Charlotte. In dieser Zeit ist wahrscheinlich mit dem Bau des großen Gutshauses begonnen worden.
Die Aufhebung der Leibeigenschaft der Bauern im Jahre 1842 war für den alten Grafen der wirtschaftliche Todesstoß. 1848 verstarb er 80jährig und wurde unter der Kapelle auf dem Gutsfriedhof neben seiner Gattin Charlotte beigesetzt. Dieser Friedhof wurde ungefähr um 1960 vernichtet.
Die jetzt freien Bauern erwarben Teile der Gutsländereien. So entstand 1842 eine selbstständige Gemeinde Adl. Klein Götzhöfen.
1846 lebten auf dem Gut 33 und im Dorf 87 Menschen.
1851 erwarb das Gut der Kommerzienrat Karl Friedrich Gubba aus Memel, der englischer oder schottischer Herkunft war. Er brachte das Gut wieder in wirtschaftliche Höhe.
Sein Sohn James Gubba hatte in England Landwirtschaft studiert. Er modernisierte das Gut, indem er das Herrenhaus fertig baute und die Wirtschaftsgebäude in Ordnung brachte. Auch schuf er ein Gestüt und einen erstklassigen Viehbestand. Von 1870 bis 1873 war er nationalliberaler Landtagsabgeordneter in Preußen.
Nach seinem Tode 1886 bewirtschaftete seine Witwe Jennie Richter-Gubba das Gut weiter und übergab es 1894 ihrem Sohn James. Dieser James investierte in weitere Verbesserungen. Er brachte das Gut durch systematische Drainage, den Bau einer großen Dampfringofenziegelei und Verbesserung des Inventars weiter auf die Höhe landwirtschaftlicher Technik.
Sein größtes Einkommen hatte er aus der Viehzucht. So züchtete er z. B. Trakehner, die er an das Heer verkaufte. Und er kaufte im Jahre 1917 die 45 ha des 1842 entstandenen Adl. Klein-Götzhöfen an und fügte sie dem Gut Götzhöfen wieder hinzu.
1916 war das Gut Götzhöfen 430 ha und 1917 dann 476 ha groß.
James Gubba wurde im ersten Weltkrieg allerdings auch zum Kriegsdienst eingezogen, kehrte aber zurück und führte sein Gut weiter, das etwas kleiner geworden war. Es besaß 1926 nur noch 355 ha Land. Es änderte sich auch nichts als das Memelland 1923 von Litauen besetzt wurde.
| Quellen: | ||
| Deutsche Nachrichten für Litauen | V. Kittel | |
| (Norbertas Stankevicius) | März 2004 |