(Einst Badeort 5 km nördl. der Stadt Memel gelegen und zur Gemeinde Mellneraggen gehörend, ist heute ein Stadtteil von Klaipeda und heißt auf litauisch Giruliai)
Unser Memelland war schon immer reich an Wäldern. Selbst auf der Kurischen Nehrung standen riesige Eichen und Kiefern, die bis über 600 Jahre alt waren. In der Mitte des 18. Jh., während des 7-jährigen Krieges, fiel schon damals das zaristische Rußland in Ostpreußen ein und blieb 5 Jahre lang als Beatzungsmacht im Land. In dieser Zeit holzten sie u.a. den Nehrungswald und den nördlich der Stadt Memel gelegenen Forst völlig ab. Der durch die See mit der Brandung aufgeworfene Sand türmte sich zu Dünen auf und diese konnten jetzt ungehindert wandern. Das heißt, fliegender Sand verwandelte das Gelände des ehemaligen Nehrungs- und Strandwaldes in eine sandige Dünenlandschaft. Nördlich der Stadt Memel reichten die Dünen bis zur Ortschaft Kollaten und im Süden bis zur Bommelschen Vitte. Die heute bewaldeten Hügel bei Kollaten, Försterei und die Alte Sandwehr mit der Galgenbake im Stadtwald künden ebenso wie die Memeler Straßennamen Sandwehrstraße, Kleine und Große Sandstraße davon wie es damals im Norden der Stadt und weiter nördlich aussah. Ein Teil dieses Gebietes gehörte bereits seit Beginn des 19. Jh. der Stadt. Durch königliche Schenkung wurde dieses Gebiet bedeutend erweitert. Um der weiteren Versandung Einhalt zu gebieten, hatte der preuß. König die Schenkung mit der Auflage verbunden, die Stadt solle das versandete Gebiet neu aufforsten. Dieser Auflage konnte die Stadt aber erst ab 1834 nachkommen. Man begann mit der Bepflanzung auf der Sandscholle ( das ist das Gebiet zwischen der Jugendherberge in der Plantagenstraße und dem Waldschlößchen ( ein kleiner Teich in der Moltkestraße gegenüber den Kasernen; war vor dem Krieg im Winter Eisbahn). Es entstand das Stück Plantagenwald, das wir als Hindenburghain kannten. !857 wurde dann endlich ein Kulturplan für die anzulegende Plantage entworfen, um sie bis zum Leuchtturm in Strandvilla zu erweitern. Jährlich sollten 250 Taler aufgewendet werden, um in weiteren 18 Jahren die gesamte Sandfläche zu bewalden. Im Frühjahr 1858 wurden dann die ersten 30 Morgen mit Kiefern bepflanzt und 1861 wurde bereits der Promenadenweg durch die Plantage vom Ende der Moltkestraße über Riechertsruh bis zum Leuchtturm angelegt. Das öde Strandgebiet nördlich des Leuchtturms bis zur Holländischen Mütze wurde von der Regierung der Memeler Kaufmannschaft zur Verwaltung übergeben. Auf dem Steilufer der Holländischen Mütze befand sich bereits seit 1821 ein kleines Wäldchen, das den Seeleuten als wichtige Landmarke diente. Die Memeler Kaufmannschaft übernahm mit der Verwaltung dieses Küstenstreifens auch die Verpflichtung der Aufforstung. Zum einen, um den Sandflug und die weitere Versandung aufzuhalten und zum anderen, um der armen Arbeiterklasse bei den herrschenden schlechten Zeiten einen Verdienst zu ermöglichen. Und so begannen die Memeler Kaufleute ab Herbst 1830 mit der Anpflanzung von Laub- und Nadelgehölz auf dem gesamten Küstenstreifen aber auch im Bereich von Süderspitze, dem Nordende der Nehrung. So entstand also bereits in der Mitte des 19. Jh. von Strandvilla bis Karkelbeek dieser herrliche Wald in Meeresnähe. Die treibende Kraft bei diesem Unternehmen war der Obervorsteher der Kaufmannschaft, der Kommerzienrat Johann Adolph Klempow, der 1812 aus Lübeck nach Memel zugezogen war. Er ließ auch eine Plantagenförsterei mitten in diesem neuen Forst bauen, die nach ihm Försterei Klempow genannt wurde. Er verstarb 1843 im 64. Lebensjahr. !863 erteilte die Regierung, auf Antrag der Kaufmannschaft, die Genehmigung in Höhe dieser Försterei einen Badeort anzulegen und gab außerdem die Genehmigung zur Verpachtung von Bauplätzen für Sommerwohnungen. Daraufhin pachteten sechs Memeler Bürger (Kaufleute) Villenplätze zu je anderthalb Morgen dort oben auf der westlichen Kante des Höhenzuges, der sich parallel zur Küste über den Strand erhebt. Bald entstand auch ein Logirhaus nebst Gastwirthschaft. Am 02. Mai 1876 wurde Klempow in Plantagenförsterei umbenannt. Im Laufe der Zeit entwickelte sich daraus der Name Försterei. Als das preußische Abgeordnetenhaus im April 1889 den Bahnbau Memel - Bajohren genehmigte, begann sofort das Tauziehen um die Streckenführung, die zuerst über Groß Tauerlauken führen sollte. Schließlich blieben aber die Förstereianhänger Sieger, die die Strecke über Försterei - Kollaten befürworteten. Am 15. Juni 1892 befuhr der erste Zug diese Strecke. Nun war der Aufschwung von Försterei als Badeort nicht mehr aufzuhalten. Zwei Jahre später, am 29. Juli 1894 fand hier die Eröffnung der Strandhalle statt, die wiederum ein Geschenk des Kommerzienrats Pietsch an die Bevölkerung war. Ganze 1000 Goldmark kostete die Planierung und Einrichtung des davor gelegenen Platzes auf der Düne. Heute ist nichts mehr von all dem zu erkennen. In dem hügeligen Gelände, 2 - 3 km nördlich davon entstand der reizende Aussichtspunkt Waldkapelle. 1907 wurde am Enzianbach (wir nannten ihn Kongo), der über den Strand ins Meer rieselte, ein völlig versandeter Teich geräumt und ein Inselchen in ihm angelegt. Die Ufer dieses Teiches wurden mit Wegen und Ruhebänken versehen. Dadurch entstand hier eine weiteres liebliches Waldydill, zu dessen Anlage der Kommerzienrat Gerlach das Geld gespendet hatte. Ihm zum Gedenken erhielt das Inselchen den Namen Hermann-Gerlach-Insel. So waren es vornehmlich führende Memeler Familien und dabei hauptsächlich diejenigen, die ihre Sommervillen in Försterei hatten, die darum wetteiferten, Försterei zu einem Schmuckstück zu machen. Gelungen ist dieses aber auch nur, weil stets forstlich ausreichend vorgebildete Verwaltungsbeamte, also tüchtige Forstbeamte, für dieses neue Revier zur Verfügung standen. Es waren dies von Beginn an die Revierförster Sandner, Weigel und als letzter Lintz. Ein besonderes Prachtstück des Memeler und Förstereier Waldes war die Seepalwe. Hier waren es die Birke, das Heidekraut und der Wacholder, die einen einzigartigen Waldcharakter schufen. Die Palwe erstreckte sich von der Galgenbaake, nördlich der Stadt Memel, bis Kollaten und vom Förstereier Bahnhof bis zum Gut Labrenzischken. Obwohl die Bahn das Erreichen von Försterei sehr erleichterte, so war es doch viel schöner, in offner Kutsche, im Winter mit dem Schlitten oder mit dem Fahrrad hinauszufahren, wenn man sich nicht überhaupt für den Fußweg entschied. Bis 1892 gab es nur einen unbefestigten Waldweg, der 1893 mit Lehm und Sand befestigt wurde. Daneben entstand bis 1910 allmählich eine feste Fahrstraße. Doch bereits in den Jahren 1903/04 entstand als weiterer Weg, der Radfahrweg durch die gesamte Plantage von Memel bis Försterei. Das Geld hierfür brachten die Brüder Konsul Heinrich Pietsch und Kommerzienrat Wilhelm Pietsch auf. In den folgenden Jahren entstanden nun weitere Villen, sowie die Hotels Franz, Schmidt und Ullmann und ein Lebensmittelgeschäft. Die Familie Reetz besaß im unteren Teil des Badeortes mehrere Häuser mit Ferienwohnungen. Auch unterhielten sie zwei Tennisplätze und bauten eine regelrechte Badeanstalt auf. 1911/12 wurde das Königin-Luise-Erholungsheim für Kinder und Erwachsene feierlich eingeweiht. Die Baumittel für dieses Erholungsheim, das heute noch als Kindererholungsheim dient, wurden durch freiwillige Spenden der Bevölkerung aufgebracht. Die Stadt Memel gab lediglich 5000 Mark dazu. Der litauische Namen Giruliai wurde bereits in den Jahren 1925 bis 1939 verwendet. Es scheint eine eigenwillige Bildung aus dem litauischen Wort giria (für „Forst") zu sein. So war Försterei zu dem Ort geworden, an den viele ihr Herz verloren und noch heute gerne daran zurückdenken. Ob im Sommer oder im Winter, ob beim Baden oder beim Rodeln, immer war Försterei eine Oase für den pflastermüden Memeler.
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| Ein Bild aus den Jahren vor dem Krieg | Strandidylle |
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mit Genehmigung der Regierung 1863 ein Badeort angelegt, der im Jahre 1876 in "Försterei" umgetauft wurde. Die Seebadeanstalt wurde Anfang der 30er Jahre von Herrn Reetz erbaut und betrieben. |
| 1894 schenkt Kommerzienrat Pietsch die Strandhalle der Öffentlichkeit. Sie wurde später vom Hotelier Schmidt bewirtschaftet. |
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