Grumbeln - Seite 2 von 2
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um Brotmehl zu strecken, sogar Spreu mit verbuken.
Als die Bauern zur Landabgabe für Straßen- und Bahnbau aufgefordert wurden, taten sie das unter großen Bedenken. Sie kamen jetzt mit ihrem Brotgetreide kaum aus, nach der Landabgabe befürchteten sie eine Hungersnot. Nun, zu einer Hungersnot kam es auch in dem ' nassen Jahr nicht, wo alles Getreide auf dem Felde ververfaulte. Die Regierung hatte noch rechtzeitig Schiffsladungen Getreide nach Memel geschickt und den aufgetretenen Mangel behoben.
Aus den Erinnerungen meines Großvaters (er war 1820 geboren) weiß ich noch, daß, wenn er für seine Landwirtschaft Zugochsen brauchte, er nach Ragnit fahren mußte, da es sie nur dort zu kaufen gab. Die Reise dorthin wurde mit dem Fuhrwerk gemacht. Verkaufte Schweine wurden in Ruß abgenommen und dort auf Haffkähne verladen, da es damals noch keine Eisenbahn gab. Für Politik bestand kein Interesse; sie hatten einfach keine Zeit dafür. Auch im Revolutionsjahr 1848 ließen sie sich nicht aus der Ruhe bringen* wenn die Agitation für einen Aufstand auch in die Dörfer gebracht wurde. Mein Großvater war damals als Soldat auf dem Marsch von Königsberg nach Baden begriffen, preußische Truppen sollten dort helfen, die Revolution niederzuwerfen.. Bis Sangerhausen in Sachsen waren sie schon marschiert. Da sie aber dazu nicht mehr gebraucht wurden, machten sie den Marsch von da wieder zurück.
Den Krieg gegen Frankreich 1870/71 haben fünf Mann aus der Gemeinde mitgemacht. Sie sind alle zurückgekommen; einer mit einer ausgeheilten schweren Verwundung. Vier Jahre vorher, im Jahre 1866, kam ein Gemeindemitglied aus dem Kriege gegen Österreich nicht mehr zurück. Von elf Teilnehmern des 1. Weltkrieges sind drei gefallen. Wieviel Verluste der 2. Weltkrieg von der Gemeinde gefordert hat, ist noch nicht zu übersehen. Durch die Flucht und den Zusammenbruch ist alles durcheinander geraten, und dadurch ist es nicht möglich festzustellen, wer lebend den Krieg überstanden hat.
Im Laufe der Jahrhunderte war die Besiedlung des Ortes weiter fortgeschritten. Die Gemeindekarte aus dem Jahre 1839, von Geometer Bleek verfertigt, vermerkt auf dem rechten Mingeufer bereits 10 Hof stellen, auf dem linken waren es drei. Auf der linken Uferseite waren, abgesehen von einem kleinen Streifen Ackerland, ausgedehnte Wiesenflächen. Auch die auf dem rechten Ufer befindlichen Hofstellen besaßen dort ihre Wiesen und kleine Ackerstücke. Auf der linken Seite mündete bei Grumbeln die We-wirsze in die Minge. Der Nebenfluß kam aus Litauen und brachte bei der Schneeschmelze im Frühjahr ungeheure Mengen von Wasser an.
Die Verbindung mit beiden Uferseiten des Mingeflusses wurde durch die Gemeindefähre aufrechterhalten. Es war ein aus 20 behauenen Tannenstämmen und durch zwei Querbalken zusammengehaltenes Floß. Darüber befand sich ein Bretterbelag. Das bequeme Rauf- und Runterfahren bewirkten zwei an beiden Enden angebrachte Klappen. An einer aus Zinkdraht zusammengedrehten Leine, welche über den etwa 80 m breiten Fluß gezogen war, wurde die Fähre in Selbstbedienung von Ufer zu Ufer gezogen.
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So primitiv die Fähre auch war, sie hat sich im Laufe der Jahrzehnte glänzend bewährt. Tausende von Fuhrwerken hat sie im Laufe eines Jahres übergesetzt, und Tausende von Zentnern Heu, Getreide oder Torf sind in der gleichen Zeit mit ihrer _ Hilfe eingebracht worden. Die täglichen Vieh-und Pferdetransporte von und zu den Weiden hat sie bewältigt und war noch obendrein die Verbindung des öffentlichen Weges Wilkieten-Grumbeln. Unglücksfälle sind dabei nur selten vorgekommen. Die Einsetzung der Fähre im Frühjahr und die Herausnahme im Herbst ging in Gemeinschaftsarbeit vor sich. Es war Ehrensache, daß die Hofeigentümer persönlich daran teilnahmen. Daran schloß sich dann gewöhnlich auf Kosten der Gemeindekasse eine kleine Nachfeier an. Dabei wurden die
UNSER HEIMATGEDICHT
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einer Verwaltungsreform wurden von der nationalsozialistischen Regierung die Gemeinden Grumbeln, Daugmanten, Birszeningken und Kaiwischken zu einer Gemeinde Daugmanten zusammengelegt, nur als Ortsteile blieben ihre Namen bestehen. Somit hatte Grumbeln aufgehört, als selbständige Gemeinde zu bestehen.
Die Gemeinde war mit dieser Regelung nicht recht zufrieden. Das jahrelange Zusammenleben hatte bewirkt, daß die Gemeindeglieder ihre Gemeinde als eine Art große Familie ansahen. Wenn es z. B. darauf ankam, Gemeindeangelegenheiten andern Stellen gegenüber zu vertreten, herrschte eine vorbildliche Einstimmigkeit. Politische Einstellung des Einzelnen spielte dabei keine Rolle. Die Zusammenlegung hatte nun eine Art größere Familie geschaffen. Den schon bestehenden Familiensinn der Gemeindeglieder auch auf die nun bestehende größere Familie auszudehnen, ging nicht, da diese Familie nicht durch Zusammenleben, sondern durch ein Machtwort entstanden war. Das gegenseitige Vertrauen fehlte, und es entstand eine Interessen-losigkeit für die Belange der neuen großen Gemeinde.
Generationen kamen und gingen. Geschlechter haben in Grumbeln oder auch in Ropeiken gelebt und ihre tägliche Leibesnahrung dort gefunden. Sie haben den Boden urbar gemacht und die Gegend bevölkert. Den Platz, welchen Gott jedem aus dem Geschlechte im Leben zugemessen hatte, haben sie nach Können und Vermögen ausgefüllt und dabei die Sonnen- und Schattenseiten des Lebens zur Genüge erfahren. Die Scholle, die ihnen die Ernährung sicherte, haben sie geliebt und, wenn sie dieselbe nicht mehr benötigten, sie ihren Nachkommen überlassen; selbst sind sie dann zu ihren Vorfahren versammelt. Neue Generationen und neue Ideen lösten die alten ab, der Boden aber blieb der gleiche, eingespannt in den Rhythmus der göttlichen Verheißung: „So lange «die Erde stehet soll nicht aufhören Saat und Ernte." Ein Kommen und Gehen, ein Werden und Vergehen, gemäß eines auf göttlichem Willen beruhenden Naturgesetzes.
In alle Winde verstreut sind auch die, welche als Letzte die Scholle bearbeitet • und sich an dem Segen erfreut haben, der aus dieser Arbeit kam. Einige befinden sich auch noch in der Heimat, doch aber das Gefühl, daheim zu sein, haben sie nicht mehr. Die Heimat ist ihnen fremd geworden, so fremd, daß sie ihr daheim verlassen und in die Geborgenheit des Westens ziehen möchten. Fremde haben das geraubt, was ihnen einst gehört hat. Der Räuber ist der Staat selber, der vor fremdem Eigentum nicht zurückschreckt, es sich aneignet und den Nutzen aus dem zieht, was Generationen vorgearbeitet und bereitet haben. Die richtigen Eigentümer würdigt er dabei zu seinen Arbeitssklaven herab und weist ihnen nur das Nötigste zum Leben an. Ein schweres Unrecht ist dieser Raub, durch die Staatsmacht selbst begangen, über kurz oder lang rächt sich das, wenn Menschenrechte so offensichtlich mißachtet werden. Es sind darüber Staaten zerbrochen, die Geschichte nennt Beispiele. Nur Recht und Gerechtigkeit, die im Staatsleben zu finden sind, gereichen dem Staate zur Ehre und sichern seinen Bestand.
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Mein kleines Kachelofche
Ich huck an meinem Kachelolche
Un kick un denk: Wie scheen das brennt!
Ich leg de Fieße arme Rachels,
Wo ich heil viel mit rumgeiennt.
Ich steck de Nas' auch mal ans Fenster,
Wo nu all Winterblumen bliehn,
Un denk an all die armen Leitchens,
Wo schuchernd durche Straßen ziehn.
Ich bin zufrieden un bescheiden, Ich kick un treim un red nich viel. Bloß manchmal lang ich an zu denken Un komm denn niemals nich zum Ziel: Wenn werd ich wieder mal zehause An jenem Kachelolche sein, Wo ich in meine Jugend spielte, Wie ich noch dammlich war un klein?
THEO PETROWSKI
Gemeindesorgen durchgesprochen. Manch : guter Beschluß ist auf solch einer gemütlichen Sitzung gefaßt und auch ausgeführt worden, von dem im Beschlußbuch nichts zu finden war. Unbürokratisch ging es oft besser. Ob die Fähre auch jetzt noch ihren Dienst versieht, darüber weiß ich nichts.
Im Frühjahr 1899 wurden durch Feuer vier Hofstellen mit 16 Gebäuden vernichtet. Das Feuer brach im Gehöft Klingbeil aus, und da ein starker Wind' herrschte, verbreitete es sich schnell über die Nachbargehöfte. Bevor noch eine richtige Bekämpfung einsetzen konnte, standen alle 16 Gebäude in Flammen. Erst als in der Windrichtung keine Gebäude mehr waren, konnte das Feuer lokalisiert werden. Die Obdachlosen bekamen bei den Nachbarn Unterkunft, und der Aufbau konnte wieder beginnen. Die Hofstelle Kawohl I wurde nicht mehr aufgebaut. Der Eigentümer, ein alter Mann, hatte Brandverletzungen bekommen, an deren Folgen er starb. Die Hofstelle erbte sein Sohn Kawohl II.
Mit der Eingliederung in den litauischen Staat nach dem 1. Weltkrieg waren die Gemeindeglieder fast einstimmig nicht zufrieden; daher war auch kaum jemand, der die Wiedervereinigung des Memelgebiets mit Deutschland am 22. 3. 39. in der Gemeinde nicht lebhaft begrüßt hätte. Im Zuge
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