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Die Gemeinde Grumbeln
GESCHICHTLICHES UND ERLEBTES / Von W—
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derte überdauert hatte. Im Boden verwurzelt, naturverbunden und gesund mußte schon das Geschlecht sein, das die Gegend dort über Jahrhunderte hindurch bevölkert hat. Es ist ihnen nichts erspart geblieben. Allerlei Nöte, Na- -' turkatastrophen, Epidemien, Kriegsgeschrei und Kriegsfolgen haben sie im Laufe der Geschichte über sich ergehen lassen müssen und sind dabei nicht untergegangen. Anläßlich einer Erweiterung des Friedhofes in den 1870er Jahren wurden bei Grabarbeiten außerhalb der Einfriedung des Friedhofes neben menschlichem Gebein alte Waffen, • Musketen und Sä^ bei ausgegraben. Es war offenbar, daß da einige Krieger mit ihrer gesamten Ausrüstung bestattet gewesen sind. Da eine solche Begebenheit doch stets ein Ereignis' im Dorf leben ist, bleibt es unverständlich, warum es darüber keine Überlieferung gegeben hat. Es dürfte aber wohl anzunehmen sein, daß es Überreste von schwedischen Kriegern gewesen sind, welche im Winter 1679 auf der Flucht vor dem Großen Kurfürsten dort den Tod gefunden haben. Der Einfall der Schweden war ein Jahr vorher erfolgt.
Im Siebenjährigen Krieg war unser Gebiet von 1758 bis 1762 von den Russen besetzt und hat alle Gewalttäten über sich ergehen lassen müssen, die ein mit Krieg überzogenes Volk auszustehen hat. In unserer Prökulser Kirche ist damals ihr Pfarref Wessel auf dem Altar der Kirche ermordet worden. In der Zeit des Siebenjährigen Krieges war es auch, wie zwei junge Männer aus der Gemeinde sich zum Kriegsdienst stellen sollten. Sie hatten es bis dahin verstanden, dem Werbekommando aus dem Wege zu . gehen und waren auch sicher, nachts nicht abgeholt zu werden. So Waren sie mit Flachsbrechen beschäftigt. Gerade aber in der gleichen Nacht kam unter Führung des Schulzen das Kommando an und umstellte das Haus. Ein Entfliehen war aussichtslos; so wurden die beiden abgeführt. Ob sie nach Kriegsschluß wieder zurückgekehrt sind, darüber sagt die Überlieferung nichts.
Die napoleonischen Kriege hat Grumbeln und überhaupt die ganze Umgebung nur am Rande erlebt. Ein in der Schlacht bei Pr. Eylau verwundeter hoher preußischer Offizier war auf der Flucht vor Napoleon im Schulhaus in Lankuppen untergebracht worden. Er wollte nach Memel hin, wo sich die Königliche Familie befand. In der Schule ist er seinen Verletzungen erlegen und auf dem Lankupper Friedhof beerdigt. Der Verstorbene war Angehöriger eines bekannten preußischen Adelsgeschlechts. Im' ersten Weltkrieg waren Nachkommen dieses Offiziers gekommen und ließen sich dessen Ruhestätte auf dem Friedhof anweisen, die noch bekannt war. Sie wollten später einen Gedenkstein darauf errichten. Nachdem das Gebiet aber abgetrennt wurde, ist das unterblieben. , Die Steinschen Reformen hatten den Bauern die. Freiheit gebracht, sie wurden nun Eigentümer der Grundstücke, auf denen sie saßen. Die Lebensverhältnisse wurden dadurch aber nicht gleich andere; sie besserten sich nur sehr langsam. Sie haben es_ nicht leicht gehabt, unsere Groß- und Ur-großeltern, und ihr Leben ist im Vergleich zu dem heutigen doch recht armselig gewesen. Ich habe die alten Leute noch erzählen hören, wie sie wenn es einmal eine Mißernte gab, oft,
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Grumbeln war ein Bauerndorf im Kreise Memel. Es bestand 1944 aus 16 Hofstellen, von denen zwei über 40 ha, die andern unter 25 ha Ackerboden besaßen. Die Einwohnerzahl zur Zeit der Flucht betrug 92 Personen. Gewerbebetriebe waren nicht vorhanden.
Den Namen Grumbeln hat der . Ort wohl von einem seiner Einwohner Grumblatis oder Grumblies erhalten, der sich irgendwie hervorgetan oder vielleicht auch als erster Bewohner im Dorf ihm seinen Namen gegeben hat. Träger dieses Namens hat man 1945 noch in Ostpreußen angetroffen. Der ursprüngliche Name dieses Ortes war Ropeiken. In einer Separationsurkunde aus dem Jahre 1839 standen noch beide Namen verzeichnet, bis dann der Name Ropeiken endgültig ausschied und Grumbeln allein blieb.
Man hat sich oft gefragt, wieso es kommen konnte, daß ein altgeführter Ortsname zu Gunsten einer Neuschöpfung in Vergessenheit geraten konnte, es müßten doch darüber, wann Ropeiken aufhörte, ein Dorfname zu sein, irgendwelche schriftlichen Belege oder auch Überlieferungen gegeben haben. In alten Regierungsakten mag dieser Name wohl noch zu finden gewesen sein, die Gemeinde besaß nichts derartiges. Es hatte sich auch keine Überlieferung erhalten, die darüber hätte Aufklärung geben können. Man hatte daher die Auffassung, daß es im Orte keinen Menschen mehr gegeben hat, der damals eine Überlieferung hätte fortführen können. Die Pest, welche in den Jahren 1709/10 ganze Dörfer entvölkerte, hatte auch in Ropeiken gründliche Arbeit getan. Mit den Bewohnern starb auch der alte Ortsname aus, und mit einem Grumbeln begann dann die neue Zeit, gleichzeitig auch mit ganz neuen Einwohnern. Lediglich die Regierung nahm noch anläßlich ihrer Vermessungsarbeiten in den Jahren 1838/39 auf diesen alten Namen Bezug.
In den dreißiger Jahren des 18. Jahrhunderts, also etwa 25 Jahre nachdem die Pest erloschen war, muß die Gegend, zu welcher auch Grumbeln gehörte, schon wieder leidlich besiedelt gewesen sein; die preußische Regierung hat damals jede Besiedlung gefördert. Jedenfalls fand es der König Friedrich Wilhelm I. für nötig, in der Gegend dort eine Schule zu bauen. Sembritzki erwähnt in seiner Geschichte des Kreises Memel die Gründung einer Schule in Lankuppen in den Jahren um 1730. Somit war diese eine der ältesten Schulen im Kreise. Zum Schulverband Lankuppen gehörte
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auch die Gemeinde Grumbeln. In' der Schulchronik fand man über die Gründung nichts verzeichnet, ebenso auch nichts über die Lehrkräfte, welche dort in früherer Zeit amtiert haben. Soviel mir bekannt ist, sind die Aufzeichnungen erst in den 1860er Jahren vom damaligen Lehrer Schapals begonnen worden. Er ist auch der erste seminaristisch ausgebildete Lehrer dieser Schule gewesen. Doch müssen auch die vor Schapals amtierenden Lehrer wenigstens die notwendigsten Kenntnisse im Lesen und Schreiben ihren Schülern beigebracht haben. Die genannte Separationsakte aus dem Jahre 1839 hatten alle Mitbeteiligten, bis auf drei, die Kreuze machten, mit ihrem vollen Vor- und Zunamen unterzeichnet.
Schon in frühgeschichtlicher Zeit muß Grumbeln wie auch überhaupt die ganze Gegend dort besiedelt gewesen sein. Die gute Lage am fischreichen Minge-fluß und der- fruchtbare Ackerboden lockten dazu. Als Zeugen einer frühzeitlichen Besiedlung hat man in Grumbeln und der Umgebung steinzeitliche Werkzeuge gefunden. Ein Bauer in der Gemeinde besaß eine reichhaltige Sammlung dieser Funde. Es waren darunter Steinäxte, Pfeilspitzen aus Feuerstein, Schaber, Bronzefibeln und eine Speerspitze aus Eisen. Unkenntnis der Wichtigkeit solcher Altertümer mag manche solcher Funde auch zerstört haben. Nach dem Tode des Bauern sollte ein Museum diese Sammlung erhalten. Doch jetzt wird wohl alles verloren gegangen sein.
Die Besiedlung des Ortes begann erst auf dem rechten Mingeufer. Die ersten sieben Hofstellen, die dort stehen, müssen schon sehr alt sein. Sie befanden sich dort auf dem etwas hochgelegenen Flußufer, sicher vor . Überraschungen durch Hochwasser. Im Laufe der Jahrhunderte hatte der Fluß sich ein neues Bett geschaffen und seinen Lauf begradigt. Der neue Flußlauf lag jetzt etwa 300 m. vom alten entfernt. Anlandungen haben diese Strecke zur Ackerfläche werden lassen. Eine Zeitlang muß der alte Flußlauf als toter Arm noch bestanden haben. Noch in neuerer Zeit hieß diese Gemarkung „Upalis" (Flüßchen), trotzdem im Laufe der Jahre fruchtbarer Marschboden entstanden war. Bei einem größeren Hochwasser nimmt der Fluß allerdings auch sein altes Bett wieder ein und erreicht damit auch wieder die Höfstellen, die sich dort auf seinem ursprünglichen Ufer angesiedelt hatten.
Der Gemeindefriedhof ist auch sehr alt gewesen, jedenfalls wohl auch so alt wie der Ort selber. Die Umzäunung bestand bis zur Jahrhundertwende aus großen Steinblöcken, deren Heranschaffung sehr viel Mühe gekostet haben muß. Als dann., ein neuer, moderner Drahtzaun angebracht wurde, mußten die Steine, bevor sie weggeschafft werden konnten, erst gesprengt werden; so schwer waren sie. Mag der neue Zaun seinen Zweck, ein Schutz gegen streunendes Vieh zu sein, besser erfüllt haben als der alte; jedenfalls das Urwüchsige, das für die Ewigkeit gebaute fehlte ihm. Ein kräftiges Geschlecht, welches die Ruhe seiner To-,ten schützen wollte, hatte mit den Steinen gleichfalls ein Denkmal für sich gesetzt, welches schon Jahrhun-
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