MD 1958 - 5.Februar

Die Gemeinde Grumbeln
GESCHICHTLICHES UND ERLEBTES / Von W—
derte überdauert hatte. Im Boden ver­wurzelt, naturverbunden und gesund mußte schon das Geschlecht sein, das die Gegend dort über Jahrhunderte hin­durch bevölkert hat. Es ist ihnen nichts erspart geblieben. Allerlei Nöte, Na- -' turkatastrophen, Epidemien, Kriegsge­schrei und Kriegsfolgen haben sie im Laufe der Geschichte über sich er­gehen lassen müssen und sind dabei nicht untergegangen. Anläßlich einer Erweiterung des Friedhofes in den 1870er Jahren wurden bei Grabarbei­ten außerhalb der Einfriedung des Friedhofes neben menschlichem Ge­bein alte Waffen, • Musketen und Sä^ bei ausgegraben. Es war offenbar, daß da einige Krieger mit ihrer gesamten Ausrüstung bestattet gewesen sind. Da eine solche Begebenheit doch stets ein Ereignis' im Dorf leben ist, bleibt es unverständlich, warum es darüber keine Überlieferung gegeben hat. Es dürfte aber wohl anzunehmen sein, daß es Überreste von schwedischen Kriegern gewesen sind, welche im Winter 1679 auf der Flucht vor dem Großen Kur­fürsten dort den Tod gefunden haben. Der Einfall der Schweden war ein Jahr vorher erfolgt.
Im Siebenjährigen Krieg war unser Gebiet von 1758 bis 1762 von den Rus­sen besetzt und hat alle Gewalttäten über sich ergehen lassen müssen, die ein mit Krieg überzogenes Volk aus­zustehen hat. In unserer Prökulser Kirche ist damals ihr Pfarref Wessel auf dem Altar der Kirche ermordet worden. In der Zeit des Siebenjähri­gen Krieges war es auch, wie zwei junge Männer aus der Gemeinde sich zum Kriegsdienst stellen sollten. Sie hatten es bis dahin verstanden, dem Werbekommando aus dem Wege zu . gehen und waren auch sicher, nachts nicht abgeholt zu werden. So Waren sie mit Flachsbrechen beschäftigt. Ge­rade aber in der gleichen Nacht kam unter Führung des Schulzen das Kom­mando an und umstellte das Haus. Ein Entfliehen war aussichtslos; so wurden die beiden abgeführt. Ob sie nach Kriegsschluß wieder zurückge­kehrt sind, darüber sagt die Über­lieferung nichts.
Die napoleonischen Kriege hat Grum­beln und überhaupt die ganze Umge­bung nur am Rande erlebt. Ein in der Schlacht bei Pr. Eylau verwunde­ter hoher preußischer Offizier war auf der Flucht vor Napoleon im Schul­haus in Lankuppen untergebracht wor­den. Er wollte nach Memel hin, wo sich die Königliche Familie befand. In der Schule ist er seinen Verletzungen erlegen und auf dem Lankupper Fried­hof beerdigt. Der Verstorbene war An­gehöriger eines bekannten preußischen Adelsgeschlechts. Im' ersten Weltkrieg waren Nachkommen dieses Offiziers ge­kommen und ließen sich dessen Ruhe­stätte auf dem Friedhof anweisen, die noch bekannt war. Sie wollten später einen Gedenkstein darauf errichten. Nachdem das Gebiet aber abgetrennt wurde, ist das unterblieben. , Die Steinschen Reformen hatten den Bauern die. Freiheit gebracht, sie wur­den nun Eigentümer der Grundstücke, auf denen sie saßen. Die Lebensver­hältnisse wurden dadurch aber nicht gleich andere; sie besserten sich nur sehr langsam. Sie haben es_ nicht leicht gehabt, unsere Groß- und Ur-großeltern, und ihr Leben ist im Ver­gleich zu dem heutigen doch recht armselig gewesen. Ich habe die alten Leute noch erzählen hören, wie sie wenn es einmal eine Mißernte gab, oft,




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Grumbeln war ein Bauerndorf im Kreise Memel. Es bestand 1944 aus 16 Hofstellen, von denen zwei über 40 ha, die andern unter 25 ha Acker­boden besaßen. Die Einwohnerzahl zur Zeit der Flucht betrug 92 Personen. Gewerbebetriebe waren nicht vorhanden.
Den Namen Grumbeln hat der . Ort wohl von einem seiner Einwohner Grumblatis oder Grumblies erhalten, der sich irgendwie hervorgetan oder vielleicht auch als erster Bewohner im Dorf ihm seinen Namen gegeben hat. Träger dieses Namens hat man 1945 noch in Ostpreußen angetroffen. Der ursprüngliche Name dieses Ortes war Ropeiken. In einer Separationsurkunde aus dem Jahre 1839 standen noch beide Namen verzeichnet, bis dann der Name Ropeiken endgültig ausschied und Grumbeln allein blieb.
Man hat sich oft gefragt, wieso es kommen konnte, daß ein altgeführter Ortsname zu Gunsten einer Neuschöp­fung in Vergessenheit geraten konnte, es müßten doch darüber, wann Ropei­ken aufhörte, ein Dorfname zu sein, irgendwelche schriftlichen Belege oder auch Überlieferungen gegeben haben. In alten Regierungsakten mag dieser Name wohl noch zu finden gewesen sein, die Gemeinde besaß nichts der­artiges. Es hatte sich auch keine Über­lieferung erhalten, die darüber hätte Aufklärung geben können. Man hatte daher die Auffassung, daß es im Orte keinen Menschen mehr gegeben hat, der damals eine Überlieferung hätte fortführen können. Die Pest, wel­che in den Jahren 1709/10 ganze Dörfer entvölkerte, hatte auch in Ropeiken gründliche Arbeit getan. Mit den Bewohnern starb auch der alte Ortsname aus, und mit einem Grum­beln begann dann die neue Zeit, gleich­zeitig auch mit ganz neuen Einwoh­nern. Lediglich die Regierung nahm noch anläßlich ihrer Vermessungsarbei­ten in den Jahren 1838/39 auf diesen alten Namen Bezug.
In den dreißiger Jahren des 18. Jahr­hunderts, also etwa 25 Jahre nachdem die Pest erloschen war, muß die Ge­gend, zu welcher auch Grumbeln ge­hörte, schon wieder leidlich besiedelt gewesen sein; die preußische Regie­rung hat damals jede Besiedlung ge­fördert. Jedenfalls fand es der König Friedrich Wilhelm I. für nötig, in der Gegend dort eine Schule zu bauen. Sembritzki erwähnt in seiner Ge­schichte des Kreises Memel die Grün­dung einer Schule in Lankuppen in den Jahren um 1730. Somit war diese eine der ältesten Schulen im Kreise. Zum Schulverband Lankuppen gehörte
auch die Gemeinde Grumbeln. In' der Schulchronik fand man über die Grün­dung nichts verzeichnet, ebenso auch nichts über die Lehrkräfte, welche dort in früherer Zeit amtiert haben. Soviel mir bekannt ist, sind die Aufzeichnun­gen erst in den 1860er Jahren vom damaligen Lehrer Schapals begonnen worden. Er ist auch der erste semi­naristisch ausgebildete Lehrer dieser Schule gewesen. Doch müssen auch die vor Schapals amtierenden Lehrer wenigstens die notwendigsten Kennt­nisse im Lesen und Schreiben ihren Schülern beigebracht haben. Die ge­nannte Separationsakte aus dem Jahre 1839 hatten alle Mitbeteiligten, bis auf drei, die Kreuze machten, mit ihrem vollen Vor- und Zunamen unterzeichnet.
Schon in frühgeschichtlicher Zeit muß Grumbeln wie auch überhaupt die ganze Gegend dort besiedelt gewesen sein. Die gute Lage am fischreichen Minge-fluß und der- fruchtbare Ackerboden lockten dazu. Als Zeugen einer früh­zeitlichen Besiedlung hat man in Grum­beln und der Umgebung steinzeitliche Werkzeuge gefunden. Ein Bauer in der Gemeinde besaß eine reichhaltige Samm­lung dieser Funde. Es waren darun­ter Steinäxte, Pfeilspitzen aus Feuer­stein, Schaber, Bronzefibeln und eine Speerspitze aus Eisen. Unkenntnis der Wichtigkeit solcher Altertümer mag manche solcher Funde auch zerstört haben. Nach dem Tode des Bauern sollte ein Museum diese Sammlung er­halten. Doch jetzt wird wohl alles ver­loren gegangen sein.
Die Besiedlung des Ortes begann erst auf dem rechten Mingeufer. Die er­sten sieben Hofstellen, die dort ste­hen, müssen schon sehr alt sein. Sie befanden sich dort auf dem etwas hoch­gelegenen Flußufer, sicher vor . Über­raschungen durch Hochwasser. Im Laufe der Jahrhunderte hatte der Fluß sich ein neues Bett geschaffen und seinen Lauf begradigt. Der neue Fluß­lauf lag jetzt etwa 300 m. vom alten entfernt. Anlandungen haben diese Strecke zur Ackerfläche werden lassen. Eine Zeitlang muß der alte Flußlauf als toter Arm noch bestanden haben. Noch in neuerer Zeit hieß diese Ge­markung „Upalis" (Flüßchen), trotzdem im Laufe der Jahre fruchtbarer Marsch­boden entstanden war. Bei einem grö­ßeren Hochwasser nimmt der Fluß allerdings auch sein altes Bett wie­der ein und erreicht damit auch wie­der die Höfstellen, die sich dort auf seinem ursprünglichen Ufer angesie­delt hatten.
Der Gemeindefriedhof ist auch sehr alt gewesen, jedenfalls wohl auch so alt wie der Ort selber. Die Umzäu­nung bestand bis zur Jahrhundertwende aus großen Steinblöcken, deren Her­anschaffung sehr viel Mühe gekostet haben muß. Als dann., ein neuer, mo­derner Drahtzaun angebracht wurde, mußten die Steine, bevor sie wegge­schafft werden konnten, erst gesprengt werden; so schwer waren sie. Mag der neue Zaun seinen Zweck, ein Schutz gegen streunendes Vieh zu sein, besser erfüllt haben als der alte; jedenfalls das Urwüchsige, das für die Ewigkeit gebaute fehlte ihm. Ein kräftiges Ge­schlecht, welches die Ruhe seiner To-,ten schützen wollte, hatte mit den Steinen gleichfalls ein Denkmal für sich gesetzt, welches schon Jahrhun-