Das Kirchspiel Wannaggen ist am 31. März 1903 gegründet worden. Schon am 01.01.1901 wurde ein Seelsorgebezirk Wannaggen im Kirchspiel Prökuls eingerichtet und durch Hilfsprediger Mehlhorn betreut.
Die evangelischen Landgemeinden: Aglohnen, Aschpurwen, Deegeln, Dwielen, Kantweinen, Paaschken, Posingen, Pößeiten, Stankeiten, Stoneiten, Szaggern, Szaukeln, Wannaggen, der Gutsbezirk Ayssehnen, das zum Gutsbezirk Stragna gehörende Vorwerk Szidellen sowie die Forstbezirke Aschpurwen und Bliematzen, wurden aus der Kirchengemeinde Prökuls, Diözese Memel ausgepfarrt und zur
selbständigen Kirchengemeinde Wannaggen, Diözese Memel, vereinigt. Seelenzahl: 2310.
Es war ein jahrelang gehegter Wunsch der Bewohner dieser Ortschaften eine eigene Kirchengemeinde zu gründen. Die große Entfernung und die schlechten Wege machten es besonders bei Regen, Schnee oder Frost sehr schwer die Kirche in Prökuls zu besuchen.
Das vom Gemeindevertreter, Besitzer Martin Greitschusaus Stankeiten, dem Königlichen Konsistorium in Königsberg persönlich vorgetragene Anliegen und die Absicht der Baptisten in Paaschken eine Kapelle zu bauen, bewog das Königliche Konsistorium in Königsberg das Kirchspiel Wannaggen zu gründen.
Prediger Martin Mehlhorn, geb. 28.08.1867 in Tauche, Brandenburg, seit 1. Juni 1901 Hilfsprediger in Prökuls, wird zum l. April 1903 zum Pfarrverweser der Kirchengemeinde Wannaggen bestellt.
Als gottesdienstlicher Raum wird ein Zimmer im Hause des Bauern Christoph Gloßat und später eine Klasse, der im April 1902 eingeweihten zweiklassigen Volksschule in Wannaggen benutzt. Auch in der Schule in Posingen wurden Gottesdienste abgehalten. Der Geistliche wohnte von April 1903 bis Juni 1903 auf dem Vorwerk Szidellen, danach beim Bauern Jakob Quauka, der bei Gloßat eingeheiratet hatte. Das Wohnhaus aus Holz des Bauern Quauka steht noch heute auf der Höhe an der Straße von Wannaggen nach Aglohnen, vor Szidellen.
Am 21. Juni 1903 werden 4 Mitglieder und 12 Beisitzer zum Gemeindekirchenrat gewählt.
Gemeindekirchenrat: | |
| 1. Gemeindevorsteher Adam aus Posingen | 2. Gemeindevorsteher Greitschus aus Stankeiten |
| 3. Gemeindevorst. Bauer Killus aus Wannaggen | 4. Gemeindevorst. Bauer Muselies aus Kantweinen |
| Beisitzer: | |
| 1. Albuszies aus Wannaggen | 2. Jurat aus Pößeiten |
| 3. Karallus aus Deegeln | 4. Klumbies aus Dwielen |
| 5. Marks aus Stoneiten | 6. Palkies aus Stankeiten |
| 7. Plutta aus Dwielen | 8. Purwins aus Aschpurwen |
| 9. Skwirblis aus Szaukeln | 10. Sunnus aus Kantweinen |
| 11. Schneider aus Pößeiten | 12. Szobries aus Wannaggen |
Am 7.12.1903 beschlossen die vereinigten Gemeindeorgane des Kirchspiels die Kirche in Wannaggen an der Kreuzung Aglohnen-Ayssehnen, Stragna-Pößeiten zu bauen.
Auf Kosten der Kirchengemeinde wurde der Bauplatz für die Kirche vom Schmied Toleikis und für das Pfarranwesen vom Bauer Eduart Paura erworben. Kirchenland wurde von den Besitzern Griguleit und Kubillus angekauft. Der Landbesitz der Kirche betrug 4,5 ha.
Pfarrer Martin Mehlhorn verließ am 31. März 1905 Wannaggen und ging nach Nordenburg, Ostpreußen.
Pfarrer Emil Bleiweiss, geb. 06.09.1875 in Königsberg, wurde am 02.April 1905 als Pfarrer eingeführt. Er wohnte bis zum 8. Mai 1905 auf dem Vorwerk Szidellen danach beim Besitzer Wohsloffin Aglohnen.
Am 15. Juli 1907 wurde mit dem Bau der Kirche und des Pfarrhauses begonnen. Die Feier der Grundsteinlegung fand am 20. August 1907 statt. Der Pfarrer bezog am 28. September 1908 das Pfarrhaus.
Am 21. Februar 1909 wurde durch Generalsuperintendent D. Braun, Königsberg, die evangelische lutherische Kirche zu Wannaggen, Diözese Memel, Ostpreußen, eingeweiht.
Pfarrer Emil Bleiweiss verließ am 15. Januar 1913 Wannaggen und übernahm die Pfarrstelle in Wieszen, Diözese Heydekrug. Er starb am 1. April 1915 in Wiesen und wurde 1970 nach Wannaggen umgebettet.
Anfang September 1913 nahm Missionar Christoph Lokies, geb. 8. Dezember 1860 in Nelaimischken /Szameitkehmen, Kreis Tilsit, sein Amt als Pfarrer in der Kirchengemeinde Wannaggen auf. Er starb am 27. Juni 1921 und wurde auf dem Friedhof in Wannaggen beerdigt. Sein Grabkreuz ist noch heute erhalten.
Im Juni 1922 nahm Pfarrer Alexander Ogilvie. geb. 19. August 1890 in Meddicken, Kreis Memel, das Amt als Pfarrer in der Kirchengemeinde auf. Er verließ am 31. März die Gemeinde und übernahm die Pfarrstelle in Nattkischken, Diözese Pogegen, Memelland
Missionar Johannes Szallies, geb. 4. Februar 1873 in Maßwillen, Kreis Tilsit, übernahm am 14. Juni 1927 die Pfarrstelle in Wannaggen. Weil er Reichsdeutscher war, wurde er am 31. Mai 1935 ausgewiesen. Danach wurde er Pfarrer in Rautenberg, Kreis Tilsit Ragnit, Ostpreußen. Am 03. 10.1936 starb er in Rautenberg.
Pfarrer Otto Wosylus, geb. 2. Dezember 1906 in Röbsden, Kreis Heydekrug, übernahm am 1. Juli 1935 die Pfarrstelle in Wannaggen und war dort Pfarrer bis zur Flucht.
Die im Kirchspiel zurückgebliebenen und zurückgekehrten Gemeindemitglieder bildeten unter Leitung von Laienprediger Killus, Wannaggen einen Gemeindekirchenrat und hielten im März 1945 den ersten Gottesdienst in der Kirche ab. Es war überhaupt der erste evangelische Gottesdienst im Memelland seit dem Einmarsch der Sowjet Armee. Die Laienprediger Kibelka, Kurschis und Skuddies betreuten unter Leitung des Pfarrers Baltries aus Lit.Krottingen die Gemeinde.
1946 übernahm Jurgis Sprogys das Amt als Kantor und am 27. August 1950 wurde er zum Pfarrer ordiniert. Nach seinem Tode am 31. August 1967 übernahm Pfarrer Ernst Rosa aus Heydekrug die Betreuung der Gemeinde.
1998 wurde Pfarrer Reinhold Moras aus Memel Seelsorger der Gemeinde.
Seit 2002 ist Pfarrer Semeklis aus Heydekrug auch für Wannaggen zuständig. Vorsteher im Gemeindekirchenrat ist Manfred Sprogys, Aglohnen.
Die Kirche, auf einer Anhöhe stehend ist ein hervorragender Fixpunkt in der flachen Landschaft. Der Kirchturm mit dem bizarrem Satteldach, dem mit Bronze gedecktem Dachreiter und dem massivem Bronzekreuz ist weithin sichtbar und die Kreuzspitze mit einer Höhe von 35m überragt noch die Bäume des angrenzenden Waldes. Ein schlichter roter Backsteinbau im Ordensstiel vereinigt in historischer Manier Elemente der Romantik und Gotik. Obgleich ein historischer Bau des 20 Jahrhunderts hat die Kirche etwas zutiefst beschauliches. Sie ist ein prachtvolles Beispiel neugotischer Backsteinarchitektur und bildet den Mittelpunkt im ländlichen Kirchspiel. Solche Kirchen wurden um die Jahrhundertwende des öfteren im Deutschen Reich gebaut.
Der Turm birgt 2 Glocken aus Gußstahl, die vom Bochumer Verein gegossen wurden. Das Leuten der Glocken ist im ganzen Kirchspiel zu hören.
Die Kirche, die Glocken, die Orgel die 2 Mesingleuchter der Altar und die Kanzel haben die Wirren des Krieges ohne großen Schaden überstanden. Auch die Gedächnistafeln für die Gefallenen und Vermißten des l. Weltkrieges sind erhalten geblieben.
Dem Glöckner Georg Naujoks gebührt Dank und Anerkennung für seinen Löwenmut, mit dem er unerschrocken für den Erhalt seiner Kirche kämpfte und es ermöglichte, daß in Wannaggen im März 1945 die ersten Gottesdienste nach dem Kriege stattfinden konnten. So manche Nacht hat er in der Kirche verbracht, um sie vor Plünderer und Randalierer zu schützen.
Die Kirche ist 24,8 m lang, am Turmgiebel 17,1 m und am Chorgiebel 16,1 m breit. Sie umfaßt eine Fläche von
311,5 qm und ist gegliedert in einem Turmraum, einen Seiteneingangsraum neben dem Turm, dem Kirchenraum, der Sakristei und einer Totenkammer.
Der Besucher gelangt durch den Haupteingang, ein Backsteinportal mit
4 eingestellten Halbkreisbogen, einer zweiflügeligen, hellblauen, mit schwarzen schmiedeeisernen Beschlägen verzierte Tür am Westgiebel den Vorraum im Turm. Die zweischiffige Hallenkirche mit einem Tonnengewölbe aus Holz im Hauptraum und einer Holzdecke über die Seitenempore hat ein würdevolles Aussehen. Die Orgel ist auf der Empore am Westende aufgestellt. Die Empore an der Südseite bietet Platz für die Jugend. Der Altar ist freistehend im Chor, zwei große Buntglasfenster in der Chorwand stellen Sankt Petrus und Sankt. Paulus dar, sie verleihen dem Chor sakrale Würde. Die Kanzel befindet sich an der Nordseite seitlich zwischen Altar und den Sitzbänken.
Kanzel und Empore der Kirche sind in hellblauer Farbe, die Chorrückwand grün mit Goldbronze, die Kirchenbänke in rotbrauner Farbe gestrichen. Die Decke weiß, die Wände weiß mit etwas Zusatz von gelber Farbe. Allen Bewohnern des Kirchspiels gefiel die Kirche sehr gut und sie sagten voller Stolz: "Wir Wannagger haben eine schöne Kirche!"
Im Jahre 1991 war ich erstmals nach 1944 in Wannaggen und übergab eine Spende von 1000.00 DM der Kirchengemeinde Wannaggen. In den folgenden Jahren sammelte ich Geld für die Kirche in Wannaggen und übergab es dem Kassenwart der Kirchengemeinde. Das Geld wurde zur Renovierung der Kirche, Innenanstrich und Ausbesserung des Daches verwandt. Auch zur Instandsetzung des Gemeindehauses wurden die Mittel eingesetzt. Als die Erneuerung des Daches und die Renovierung der Außenwände erforderlich wurde, waren diese Arbeiten allein durch Spenden von ehemaligen Einwohnern des Kirchspiel Wannaggen nicht mehr zu finanzieren.
In lobenswerter Weise hat im Jahre 1996 Johann Sköries, geboren am 05.Mai 1922 in Wannaggen, die Sammlung von Spenden professionell betrieben und bis 2004 EURO 120 000 für die Kirchengemeinde beschafft.
Die Hälfte der Renovierungskosten übernahm das Amt für Denkmalschutz in Litauen.
60 000 EURO sammelte Sköries weltweit bei den verschiedensten Quellen, private und kirchliche.
Johann Sköries beherrscht die litauische Sprache in Wort und Schrift und konnte so die Kirchengemeinde bei der Stellung von Anträgen und Verhandlungen mit litauischen Behörden tatkräftig unterstützen.
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Bild links Kirche Wannagen erbaut 1907-1908 Bild rechts: Kirche Wannagen im Dez.1996 |
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| 1999 konnte endlich mit der Renovierung begonnen werden. Folgende Arbeiten wurden ausgeführt. Der Dachstuhl wurde ausgebessert und teilweise erneuert. Die Dächer (Kirchenschiff und Turm) wurden neu eingedeckt. (Hochwertige Dachziegeln mußten in Lettland eingekauft werden.) Sanierung der Innenräume und der Sakristei. Trockenlegung der Grundmauern. Sanierung der Außenwände. Restaurierung der Voelkner Orgel. Renovierung der bleiverglasten Kirchenfenster. |
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Die Freude über das gelungene Werk ist in der Kirchengemeinde groß. Sie dankt allen Spendern für die brüderliche Hilfe. Johann Sköries gebührt Anerkennung und Dank für den selbstlosen Einsatz zur Rettung eines deutschen Baudenkmals im Memelland, heute Litauen. Johann Sköries hat schon 1986 das Bundesverdienstkreuz für andere soziale Aktivitäten erhalten.