In Ostpreußen gab es viele Baptisten-Gemeinden. In Memel wurde die erste Gemeinde Ostpreußens gegründet. Das geschah im Jahre 1841. Nur zehn Jahre später baute man in der größten Stadt des Memellands ein großes Gotteshaus, in dem mehrere hundert Personen Platz fanden (1851). Anfang der neunziger Jahre - nach der Herrschaft des Kommunismus - wurde die Kirche in Memel den Baptisten wieder zurückgegeben. Sie liegt unweit vom bekannten Hotel "Klaipeda" entfernt.
Die Kirche in Memel ist nicht nur die älteste in Ostpreußen, sie ist auch die älteste im ehemaligen Deutschen Reich, in der noch Gottesdienste stattfinden. In Königsberg, wo es prozentual die meisten Baptisten aller deutschen Großstädte gab, wurden die Gemeinden später gegründet. Logischerweise wurden dann auch die Gotteshäuser später gebaut. Weitere Baptisten-Kirchen im Memelland gab es in Heydekrug, Prökuls und Mestellen. In Bruiszen und Paaschken trafen sich große baptistische Gruppen; sie hatten aber keine eigenen Versammlungsräume. Ihre Treffen fanden in den Häusern oder in den nächstgelegenen Kapellen statt. Im Jahre 1938 z.B. hatte die Gemeinde Paaschken 82 Mitglieder. Diese trafen sich zum Gottesdienst in der Kapelle in Prökuls. Das Gotteshaus in Prökuls ist in der kommunistischen Zeit zu einem Wohnhaus umfunktioniert worden.
Allmählich entsteht wieder geistliches Leben
Auch heute gibt es wieder Baptisten-Gemeinden im Memelland. Wie schon erwähnt, werden wieder Gottesdienste in Memel gefeiert. Hier treffen sich heute jeden Sonntag Litauer und Russen. Seit einigen Jahren gibt es auch in Heydekrug wieder eine Gemeinde, die von einem amerikanischen Baptisten-Pastor gegründet wurde. Ihre Zusammenkünfte finden neben der alten Baptisten-Kapelle statt. Diese Kirche in Heydekrug wurde noch vor der Evangelischen Kirche gebaut.
Heute wohnen in der ehemaligen Kapelle mehrere Familien. Der Sakralbau ist von außen noch als solcher zu erkennen. Ob die Baptisten-Gemeinde ihre Kirche wiederbekommen wird, ist ungewiss.
Auch in Mestellen (acht km nördlich von Heydekrug) entsteht langsam wieder geistliches Leben. Die alte Kapelle die 1903 gebaut wurde und später wie viele andere Kirchen in der Zeit des Kommunismus zweckentfremdet war, wurde 1999 nach einer aufwendigen Renovierung wieder feierlich ihrer Bestimmung übergeben. Jetzt finden in diesem kleinen Ort wieder Gottesdienste, Kinderstunden und andere Zusammenkünfte statt.
Was sind und glauben die Baptisten?
Weltweit gibt es über 100 Millionen Baptisten. Ein Großteil von ihnen lebt in den Vereinigten Staaten von Amerika. Bekannte Baptisten sind Martin Luther King, Jimmy Carter, Billy Graham u. a.
Aber auch auf anderen Kontinenten gibt es Baptisten. In Europa ist die Zahl nicht so groß. Die Ursachen liegen in der Geschichte Europas begründet. Auf unserem Kontinent begann die Geschichte der Baptisten in der Zeit der Reformation. Damals entstanden parallel zu den protestantischen Gemeinden viele so genannte Täufergemeinden. In Köln gab es z.B. eine Täufergemeinde von mehreren hundert Menschen. Viele dieser Täufer mussten wegen ihres Glaubens den Märtyrertod sterben.
Baptisten (griechisch: baptizein = taufen) taufen keine Kinder, weil nach ihrer Erkenntnis die Kindertaufe im Neuen Testament nicht erwähnt wird. Sie praktizieren die Erwachsenentaufe, d.h. der Glaube an Jesus Christus ist die Voraussetzung für die Taufe. Eine Besonderheit: Der Gemeindehaushalt, zu dem auch das Pastorengehalt gehört, wird ausschließlich von den Spenden der Mitglieder aufgebracht. Baptisten gehören zur ökumenischen Bewegung, d.h. sie pflegen gute Kontakte zu allen christlichen Kirchen.