Aus dem zaristischen Rußland wurden schon seit dem späten Mittelalter über den Memelstrom bis in das Kurische Haff große Mengen Holz mittels Flößen gebracht.
Die Flößerei durch das Haff zu den Schneidemühlen von Memel war jedoch eine gefährliche Angelegenheit. Das Passieren der Windenburger Ecke forderte bei stürmischem Wetter große Verluste. So entstand bereits 1765 ein Plan zum kanalmäßigen Durchstich der Windenburger Ecke, um diese Gefahren zu umgehen. Es kam aber nicht zur Ausführung dieses Planes, da mehrere Holzkaufleute in Ruß am Ruß- bzw. Athmastrom Holzschneidemühlen errichteten.
Ausländische Schiffe holten durch das Haff kommend das Schnittholz direkt von Ruß ab.
Durch die große Nachfrage an Schnittholz mußten aber auch die Memeler Schneidemühlen weiter ausreichend beliefert werden. Dieses Rohholz mußte also weiterhin durch das Haff geflößt werden. Im Oktober 1862 erlitten die Speditionsunternehmen an der Windenburger Ecke durch Herbststürme schwere Verluste.
Nach diesem Verlust wurde der seit hundert Jahren vorhandene Plan überarbeitet und auf Anordnung des preußischen Königs wurde 1863 mit der Ausführung des Kanalbaus begonnen.
So wie es der Plan vorsah, wurde der Kanal von Lankuppen an der Minge bis nach Drawöhnen, an der Drawöhne, gebaut. Bereits zwei Jahre später (1865) konnte diese Kanalstrecke dem Verkehr übergeben werden.
Während des deutsch-französischen Krieges wurde von 1871 bis 1873 das letzte Ende des Kanals von der Drawöhne bis zum Holzbassin, am Südrand von Schmelz gelegen, mit Hilfe von französischen Kriegsgefangenen gegraben.
Am 17.September 1873 wurde der König-Wilhelm-Kanal eröffnet.
Die Länge des Kanals beträgt 23,870 km. Er hatte einst 10 Brücken. Die 157 m lange und 25 m breite Schleusenkammer von Lankuppen hatte den Pegelstand des Wasserspiegels von Minge und dem Kanal auszugleichen.
Die Baukosten betrugen 1 Millionen Thaler
Zum Treideln (Ziehen der Kähne oder auch Flöße) war ein Treidelpfad auf dem östlichen Minge- und auf dem westlichen Kanalufer angelegt. Es war auch ein schöner Wanderweg).
Quellen:
| H. A. Kurschat "Das Buch vom Memelland" | Die Zeitschrift das "Memeler Dampfboot" & Lindenblatt, Geschichte Ost- und Westpreußens (Seite 148) |
| Zusammengestellt von Viktor Kittel (im Febr. 2005) |
Bild ausHeute ist die Verbindung zum Haff bei Schmelz zugeschüttet.
Dem interessierten Besucher bleibt es aber nicht verborgen, dass er sich hier durch ein ehemaliges Feuchtgebiet bewegt und er wird nach einiger Zeit auch das jetztige Kanalende entdecken, dort vielleicht auch ein Bad im Kanal nehmen. Wie jetzt auch schon Eingeweihte diese Stelle als Freibad nutzen.
gez. Günther Pietsch
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