Das kurische Gebiet

Aus DR. F.Tetzner: "Die Slaven in Deutschland" Beiträge zur Volkskunde

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Heute ist das kurische Gebiet Ostpreußens auf den Strand von Nidden bis Nimmersatt beschränkt und zwar so das in Sarkau und in Pillkoppen noch geringe lettische Spuren in den folgenden Strandddörfern von Nidden bis zur kurischen Grenze aber noch ständige kurische Bevölkerung wohnt. Die Kurendörfer seien in folgendem auf gezählt. Karte, Abb. 32. Immersatt-Nimmersatt. Die Zahl der Letten dieses Grenzdor-fes beträgt nur 15 (5 Proz.), doch verstehen 160 (57 Proz.) noch die alte Sprache. Im übrigen herrscht die litauische Sprache vor. In folge der Landstraße, des zahlreichen Grenzverkehrs (Memeler Jahrmarkt), der Rettungsstations- und Grenzbeamten und der Nä-he des Seebades Polangen hat indessen gerade die Gemeinde ein recht zeitgemäßes und deutsches Gepräge angenommen. Sie be-sitzt eine Schule mit 60 Kindern, die nur in deutscher Sprache Unterricht empfangen, wie fast in ganz Litauen. Es hatte 1785 nur 12 Feuerstellen, welche Zahl sich vervierfacht hat. 1848 hatte es 20 Wohngebäude mit 228 evangelischen, 9 katholischen und 3 jü-dischen Bewohnern, 1885 schon 40 Wohngebäude mit 185 Evan-gelischen, 8 Katholiken, 10 Juden. Kirchlich gehört es zu Deutsch-Crottingen, dem nördlichsten preußischen Kirchspiele. Dies ward 1654 von Memel abgezweigt und erhielt in Johann Lehmann einen Pfarrer. Es zählt heute unter 5200 Seelen nur 400 Deutsche, doch nimmt die Beteiligung am deutschen Gottes dienste, der allsonn-täglich neben dem litauischen gehalten wird, stetig zu. Rhesa singt von Nimmersatt:

Zu Nimmersatt am Baltenstrand
Rauscht früh und spat die Welle
Da grünt kein Baum auf ödem Sand,
Kein Blümlein an der Quelle,
Und nimmer, nimmer wächst die Saat,
Wer hier auch ackert früh und spat.
Der Nachtigallen Lieder
Tönt Busch und Wald nicht wieder.

- Der Name Immersatt soll unter Friedrich Wilhelm II entstan-den sein. Aus Rußland kommend, kehrte er in der unfruchtbaren Gegend beim Posthalter Mellien ein. Der bat ihn: "Ich bin immer satt und bitte meine Besitzung doch lieber so zu nennen." Der König bewilligte den Namen für die Posthalterei; Immersatt ist der Name der Post und des Lembkeschen Gartenrestaurants, das den Goetheschen Hausspruch trägt Freundlich trete (!) herein und froh entferne dich wieder etc. Es ist an der Straße der südliche Teil der Gemeinde, jenseits der Straße umschließen aber die an-deren Häuser Immersatt.

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