Ritterkreuzträger aus dem Memelland

 

Aus gegebenem Anlass habe ich versucht, nach den Memelländern zu forschen, die im II. Weltkrieg wegen besonderer Tapferkeit mit dem Ritterkreuz ausgezeichnet wurden. Leider ist es in einigen Fällen schon zu spät, da die meisten Zeitzeugen bereits verstorben sind. Deshalb wäre ich dankbar, wenn irgend Jemand hierzu Ergänzungen weiß und sie mir mitteilt.

Für die jüngeren Generationen eine Erklärung dieses Ordens, die ich aus Wikipedia hier einfüge:

„Das Ritterkreuz des Eisernen Kreuzes ist eine Stufe des Eisernen Kreuzes, das am 1. September 1939, anlässlich des Polenfeldzuges, von Adolf Hitler neu gestiftet wurde. Das Ritterkreuz wurde über 7000 Mal verliehen, darüber hinaus wurden im Laufe des Krieges zusätzliche Stufen eingeführt. Während der Zeit des Nationalsozialismus galten die Inhaber des Ritterkreuzes, so genannte „Ritterkreuzträger“, als große Helden und genossen ein durch die NS-Propaganda erzeugtes Höchstmaß an Ansehen und Popularität, nicht selten besaßen sie eigene Autogrammkarten. Sie besuchten Schulen und hielten Vorträge auf Veranstaltungen der Hitler-Jugend, ihre öffentlichen Auftritte waren stets von großen Ehrungen begleitet. Neben Fliegerassen und U-Boot-Fahrern diente die Propaganda Heranwachsenden vor allem „Ritterkreuzträger“ als heroische Vorbilder an.
Das Bild der „Ritterkreuzträger“ wurde bis in die 1990er-Jahre hinein durch die einschlägigen Publikationen aus dem Umfeld der Ordensgemeinschaft der Ritterkreuzträger (OdR) bestimmt, die über gute Kontakte zu Bundeswehr und Politik verfügte“

 

Das erste Ritterkreuz, das im letzten Krieg an einen Memelländer verliehen wurde, erhielt

 

Siegfried Fehre.

Geboren am 15. Juni 1917 in Memel als Sohn des Dr. med. Bernhard Fehre.

Im März 1937 machte  er das Abitur am Luisen – Gymnasium in Memel.

Direkt im Anschluss daran wurde zur Ableistung der Wehrpflicht beim litauischen Heer eingezogen, von wo er 1938 zurückkehrte.

Danach begann er ein Medizinstudium an der Albertina in Königsberg.

Bei Ausbruch des Krieges meldete er sich freiwillig als Fahnenjunker

zum Artillerieregiment 11.

Mit dem Artillerieregiment 126 ging er an die Front und wurde am 01. Dezember 1940 zum Leutnant befördert. Im Februar 1943 erfolgte seine Beförderung zum Oberleutnant.

Bereits vorher wurden ihm das Eiserne Kreuz 2. und 1. Klasse verliehen.

Im Winter 1942/43 vollbrachte er folgende Tat, die ihm das Ritterkreuz eintrug:

Südlich von Leningrad leitete er als Batterieführer und eigener vorgeschobener Beobachter

das Feuer seiner eigenen und der benachbarten Batterien auf die eigene Beobachtungsstelle,

an der die Russen einen Einbruch erzwingen wollten. Er verhinderte dadurch die Pläne der Sowjets, deren Gelingen schwere Folgen für den ganzen Kampfabschnitt gehabt hätte.

Am 14. Dezember 1942 wurde ihm dafür das Ritterkreuz verliehen.

Am  22. Januar 1944 fand er den Tod beim Kampf in Pekkulove (Russland).

Er wurde noch nachträglich zum Hauptmann befördert

 

Otto Kislinko

Ein Bauernsohn aus Georgenhöhe bei Groß Barwen im Kreis Heydekrug.

Seine Eltern waren der Landwirt Leo Kislinko und seine Ehefrau Martha geb. Kristeit.

Sein Geburtsdatum ist unbekannt wie auch der Verbleib der Eltern, die angeblich im

Memelgebiet geblieben sein sollen.

 

Otto Kislinko erhielt das Ritterkreuz als Unteroffizier beim Kampf der 291. Infanterie-

Division. Er gehörte in dieser Division dem Grenadierregiment 504 an, das im Rahmen

der Heeresgruppe Nordukraine kämpfte.

Er fiel kurz nach der Verleihung des Ritterkreuzes am 11. März 1944.

 

 

Es wurde berichtet, dass es im Kreis Heydekrug noch einen zweiten Ritterkreuzträger gab.

Doch niemand kann sich an den Namen erinnern.

Es ist lediglich bekannt, dass er aus Rucken stammen sollte.

 

 

Albert Annies

Von Albert Annies sind ebenfalls kaum persönliche Daten vorhanden. Ich (der Autor) vermute, dass er aus Nimmersatt stammen könnte und evtl. ein Sohn des Landwirtes Janis Annies und seiner Frau Annike war. Sein Geburtsdatum müsste demnach vor 1923 liegen.

Er war als Schriftsetzer bei der litauischen Rytas – Druckerei beschäftigt.

Nach dem Wiederanschluss des Memelgebietes an das Deutsche Reich meldete sich Annies

sofort freiwillig zum Herr der deutschen Wehrmacht. Er brachte es im Laufe des Krieges bei der 306. und der 291. Infanterie – Division bis zum Hauptmann.

Das Ritterkreuz  erhielt er noch „kurz vor Toresschluss“ am 13. April 1945 verleihen.

Albert Annies hatte den Krieg überlebt und wohnte danach in Waiblingen in Baden-Württemberg.

 

Hans  Buxa

Geboren am 16. Oktober 1916 in Memel. Keine weiteren Familiendaten bekannt.

Auch er erhielt das Ritterkreuz in den letzten Wochen des Krieges als Hauptmann.

Obwohl ich (der Autor) ihn persönlich kannte, sind auch mir nähere Einzelheiten nicht bekannt. Seltsamerweise sprachen wir s. Zt. nicht darüber.

Hans Buxa lebte und starb nach dem Krieg in Karlsruhe.

 

 

Werner Wolff

Geboren  am 28. November 1922 in Memel-Bommelsvitte. Von seinen Eltern ist lediglich bekannt, dass sein Vater Stauer am Memeler Hafen war,

Werner Wolff trat wie viele seiner Landsleute in die Waffen-SS ein. Als SS-Untersturmführer und Adjutant des II. SS-Panzergrenadierregiments 2 der Leibstandarte Adolf Hitler erhielt er am 07. August 1943 das Ritterkreuz des Eisernen Kreuzes verliehen. Er soll u.a. an einem Tag

15 russische Panzer „geknackt“ haben.

Im März 1945 fiel Werner Wolff bei Inota in Ungarn bei den Abwehrkämpfen als Kompaniechef des 1. Panzerregiments der Leibstandarte.

 

Georg le Coutre

Georg le Coutre wurde als zweiter Sohn des Rektors der Bommelsvitter Schule Bruno le Coutre am 13. September 1921 in Memel geboren.

Im März 1940 legte er am Luisen – Gymnasium in Memel sein Abitur ab.

Sofort nach der Schulentlassung trat er in die Wehrmacht ein und wurde schon 1941 auf Kreta als Fallschirmjäger eingesetzt, wobei er mit dem Eisernen Kreuz 2. und 1. Klasse ausgezeichnet wurde.

Im April 1944 wurde er zum Leutnant befördert,

 

Er erhielt er das Ritterkreuz zum Eisernen Kreuz in den letzten Kriegsmonaten bei den Kämpfen an der holländischen Front.

Auch er überlebte den Krieg, wohnte danach in Kiel und gehörte als einer der ersten Memelländer der neuen Bundeswehr als Oberleutnant an.

 

 

 

Im ersten Weltkrieg wurde für besondere soldatische Leistungen der Orden „Pour le Mérite“

verliehen. Auch ein Memeler wurde s.Zt. damit ausgezeichnet, den ich in dieser Dokumentation nicht vergessen will. Doch zuvor eine kurze Erklärung zu diesem Orden:

„Der Orden Pour le Mérite (dt. „Für das Verdienst“) wurde von Friedrich dem Großen gestiftet und war neben dem Orden vom Schwarzen Adler die bedeutendste Auszeichnung, die in Preußen vergeben werden konnte. Der Orden geht auf den 1667 gestifteten Orden de la Générosité zurück. Den Pour le Mérite gab es in der militärischen Klasse bis 1918, in der zivilen existiert er als halboffizielle Auszeichnung bis heute mit der Bezeichnung Orden Pour le Mérite für Wissenschaften und Künste als vom Bundespräsidenten genehmigtes Ehrenzeichen.“

Der Memeler Bürger, der während des ersten Weltkrieges diese höchste Auszeichnung erhielt,

war

Kurt Wolff

Kurt Wolff, der Sohn eines Baurates wurde am 06.02.1895 in Greifswald geboren.

Er verlor früh seine Eltern und wuchs in Memel bei Verwandten auf.

Am Luisen-Gymnasium in Memel machte er sein Abitur und trat bereits im März 1912 als Fahnenjunker in das Eisenbahn-Bataillon in Berlin ein und zog mit diesem als Unteroffizier ins Feld. Am 17.04.1915 wurde er zum Leutnant befördert.

Im Juli 1916 erfolgte sein Eintritt in die Fliegertruppe. Während seiner Ausbildung in Döberitz erlebte er einen Absturz, bei welchem sein Lehrer den Tod fand, während er selbst sich nur die Schulter ausrenkte. Nach seiner Flugzeugführerprüfung im November 1916 kam er sofort an die Front in Frankreich bei Verdun und an der Somme. Anfang 1917 wurde er zur neu aufgestellten Jagdstaffel 11 versetzt, deren Führer der bekannte Manfred von Richthofen war. Am 05.03.1917 fiel sein erster Gegner  und in der Folge errang er einen Luftsieg nach dem anderen, darunter auch über einen der besten britischen Flieger, Capt. Harvey-Kelly.

Am 06.05.1917 erhielt er den Orden Pour le Mérite  verliehen.

Als Manfred von Richthofen Ende Juni 1917 die Führung der Jagdstaffel 11 abgab, um die Führung des Jagdgeschwader 1 zu übernehmen, wurde Wolff sein Nachfolger.

Am 06. Juli fiel der 33. Gegner und damit endete seine Abschussliste.

Am 11.07.erhielt er im Luftkampf einen Schuss durch die linke Hand und kam in das Feldlazarett St. Nicolas in Courtrai, wo er mit dem inzwischen am Kopf  verwundeten Richthofen zusammen untergebracht war. Am 12. September des gleichen Jahres wurde er zum Oberleutnant befördert. Nach seiner Wiederherstellung hatte er eine Pechsträhne. Obwohl es an Luftkämpfen nicht mangelte, gelang ihm kein weiterer Luftsieg. Schließlich kam es am 15.9.1917

zu einem Luftkampf mit fünf Maschinen des Royal Naval Services. Die Kräfte waren zu ungleich und so wurde Wolff über Wervicq tödlich abgeschossen. Sein Leichnam wurde nach Memel überführt und dort am 20. September 1917 nach einem Trauerzug durch die Stadt auf dem städtischen Friedhof beigesetzt.

Ihm zur Ehre benannte die Stadt Memel eine Straße nach ihm, die „“Flieger-Wolff-Straße“.

Hierbei handelte es sich um eine Querstraße der Bahnhofstraße, die gegenüber dem Lehrerseminar nach Osten führte.  

Viktor Kittel

Quelle: Memeler Dampfboot

 und Wikipedia

 

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