19 Jahre sind seit jenem 22. März 1939 vergangen, der uns immer ein wichtiger, unvergessener Tag bleiben wird. Wir haben nun wohl den Abstand gewonnen, um die damaligen Dinge ohne politische Leidenschaftlichkeit so zu sehen, wie sie im Interesse der wahren geschichtlichen Tatsachen gesehen werden müssen. Im Versailler Friedensvertrag, der weder Recht noch Frieden schuf, wurde nicht nur unsere Heimat, das Memelland, vom Mutterland, dem deutschen Reiche, abgetrennt, sondern auch das Selbstbestimmungsrecht der Völker feierlich verkündet. Trotzdem uns dieses Selbstbestimmungsrecht ohne Gründe und widerrechtlich vorenthalten wurde, hat es nie, auch selbst bei unsern Gegnern des 1. Weltkrieges, hur den geringsten Zweifel darüber gegeben, wie wir von diesem Selbstbestimmungsrecht Gebrauch gemacht hätten, wenn man uns dazu Gelegenheit gegeben hätte. Das haben die Wahlen zu den sechs memelländischen Landtagen bewiesen, wo es den Litauern trotz aller möglichen Schikanen, Kriegszustand, Parteiverbot usw. kaum gelang, über die 10% Grenze zu kommen. Das zeigt auch deutlich der Bericht der nach Memel entsandten Sonderkommission der Botschafterkonferenz vom 6. März 1923, in dem es. u. a. heißt:
"Während sich sämtliche Führer der Deutschen, mit denen die Kommission zusammentraf, für einen Volksentscheid über die Unabhängigkeitsfrage des MG aussprachen, zeigte kein Taryba-Litauer den Wunsch nach einem Plebiszit. Diese Tatsache zeigt deutlicher als alle Statistiken, daß die Mehrheit der Bevölkerung nicht litauisch ist."
Trotzdem hatten die Alliierten, gegen die Ansicht ihrer eigenen Sachverständigen und ohne rechtliche Begründung, unsere Heimat als "autonomen Teil" 1923 zu Litauen geschlagen. Der Akt der Rückgliederung am 22. März 1939 war ein Akt der Gerechtigkeit und des Rechts. Dieser Akt löschte 19 Jahre Rechtlosigkeit unter litauischer Zwangsherrschaft aus und gab uns unserm Mutterlande, zu dem wir seit mindestens sechs Jahrhunderten gehörten und auch immer gehören wollten, wieder. Hier war einmal das Selbstbestimmungsrecht durchgeführt worden, ohne daß eine Volksabstimmung, wie z. B. beim Saargebiet 1935 und 1956 erfolgt war.
Heinrich A. Kurschat schließt das Vorwort zu seinem "Wunderland Kurische Nehrung": "Ich hätte dieses Buch nicht herausgegeben, wenn ich nicht - wie viele mit mir - den Glauben an eine friedliche und freie Rückkehr in den deutschen Osten und damit auf die Kurische Nehrung im Herzen trüge."
Diesen Glauben an die Heimat und das Recht haben wir in den Zeiten der Abtrennung in uns getragen, und er hat zum 22. März 1939 geführt. Und diesen Glauben müssen wir auch weiter in uns tragen und in unsern Kindern wachhalten, damit, nachdem wir 1945 wieder unsere Heimat verloren haben, ein neuer Befreiungstag kommt, ein neuer 22. März, an dem wir als freie deutsche Menschen in unsere alte deutsche Heimat, in unser liebes Memelland zurückkehren können.