Zeittafel zur
memelländischen Geschichte

zusammengestellt von Beate Szillis-Kappelhoff
  
11.000 v.Chr
(nach letzter Eiszeit)
Jäger + Sammler
a) Hamburger Kulturkreis = Variante der französ. Magdalenien-Kultur, zunächst bei Königsberg, späte Phase Memel.
b) Swidry-Kultur aus Südeuropa
7.000 v.Chr
Jäger + Sammler + Fischer;
Kiefer- + Föhrenzeit
Subarktisches Klima (8.000 bis 5.000 v.Chr. wärmer, feuchter, Gletscher weg);Mischwälder (Birke, Kiefer, Haselnusgewächse später die Eiche) . Die Jäger werden seßhaft,erster Ackerbau und Tierhaltung beginnen, nachgewiesene Besiedlg. Memelland. Zuzug Maglemose-Kultur aus Westen (Erben der Magdalenien-Kultur)
6.000 v.Chr
Vermischung Maglemose- u. Swidry, Knochenfunde im Memelgebiet:langköpfig, wulstige Brauen, stämmige Statur
5800 v.Chr.














































Mit Beginn der Jungsteinzeit entstanden in Europa vier Kulturkreise, der Westkreis, der nordeurasische Kammkeramikkreis, der östlich des Rheins, in Südskandinavien und in der norddautschen Tiefebenne verbreitete Nordkreis und der in mitteleuropea bis südlich der Donau sich anschließende bandkeramische Kreis.
Die beiden letzt genannten Kulturkreise sind den Indogermanen. (Indoeuropäer) zu zuordnen.
Die Angehörigen des Nordkreises und die des bandkeramischen Kreises bewohnten zwei- und dreischiffige Langhäuser. Die Bandkeramiker siedelten mit einer Bauernkultur auf Lößböden. Die Trichterbecher- und die mit ihr verwandte Michelsberger Kultur waren über das Gebiet der Bandkeramik nach Norden hinaus bis nach Südskandinavien verbreitet. Die Trichterbecherkultur des Nordkreises baute z.T. die von Westen her übernommenen Megalithgräber. Gegen Ende der Jungsteinzeit herrschte in beiden Bereichen bis südlich der Donau und bis östlich der Weichsel die Schnurkeramik- bzw. die Streitaxtkultur, in Skandinavien und im nördlichen Baltikum die Bootaxtkultur und zwischen dieser und der Schnurkeramik die Haffküstenkultur, aus der die ortsansässigen baltischen Völker der Prußen, Litauer und Letten sich entwickelten. Die Kultur der Schnurkeramik entwickelte sich ortsbeständig aus der Trichterbecherkultur. Die Schnurkeramik kann nicht aus dem Osten stammen, da ihre Hinterlassenschaften um so jünger werden, je weiter man nach Osten kommt.
Im Osten schloß jenseits des Dnjestr die Ockergrabkultur an, die auch noch zu den Indogermanen gerechnet wird, deren Träger sich jedoch schon in der mittleren Steinzeit von den Ur-Indogermanen getrennt haben müssen. Aus ihnen haben sich die indoarischen Völker entwickelt. Im Bereich der Schnurkeramik ist der Rest der Indogermanen zu suchen, die sich bodenständig weiterentwickelt haben.
Die Schnurkeramiker waren Ackerbauern und bauten an: Einkorn, Emmer, Saatweizen, Gerste, Rispenhirse, Linse, Erbse, Ackerbohne, Mohn und Lein (J. Schultze-Motel, 1989). In der jüngsten Jungsteinzeit wird die Schnurkeramik von Südwesten her von der Glockenbecherkultur nach Norden zurückgedrängt, deren Träger aus anthropologischen Gründen nicht zu den Indogermanen gezählt werden.
Die Glockenbecherkultur gelangte in Norddeutschland von Westen her bis an die Saale. In dem vorher von der Schnurkeramik besetzten Gebiet in Niedersachsen kam es zur Kulturmischung und wahrscheinlich auch zur ethnischen Vermischung. Diese Bevölkerung wurde in der jüngeren Bronzezeit nach Westen und Süden zurückgedrängt. Die Schnurkeramiker haben sich bodenständig aus den vorhergehenden Trägern der Trichterbecherkultur entwickelt, die bereits den Hakenpflug und das Scheibenrad besaßen und Bauern waren (A. Häusler, 1988).
So betont die heutige Forschung, daß die Schnurkeramiker nicht von Osten in das Gebiet der Großsteingräber einwanderten (L. Kilian, 1988b; H. Behrens, 1991).
Während die ackerbauenden Bandkeramiker nur die Lößböden besiedelten, hatten die Trichterbecherleute und die Schnurkeramiker die Glazialböden bis zur Nord- und Ostseeküste, von Jütland und Südskandinavien besetzt und waren andererseits nach Süden bis in die Lößgebiete an der Donau vorgedrungen.
Noch vor Abwanderung der zum centumsprachlichen Teil der Indogermanen gehörenden Italiker, Griechen und der Absonderung der Illyrer und Kelten entwickelte sich im nördlichen Teil des schnurkeramischen Gebietes die Einzelgrabkultur, aus der sich dann ohne Bruch der Ku!turentwicklung unter Beibehaltung der Siedlungsgebiete und ohne Einwanderung von außen über den nordischen Kreis der Bronzezeit hinweg die Jastorfkultur weiterentwickelte. Damit liegt in diesem Gebiet seit der Jungsteinzeit bis zum engeren Zeitbereich der Völkerwanderung eine ungestörte ethnische Entwicklung vor.
Die Einzelgrabkultur ist durch bestimmte Streitaxtformen kenntlich. Sie ist in Jütland; Schleswig Holstein, Niedersachsen bis zur Ems und im westlichen Mecklenburg verbreitet und erreicht zum Schluß Holland, die Oder und die dänischen Inseln.

Die Verbreitung der Schnurkeramik siehe auch als Karte2a
Text und Karte aus "Indogermanen, Germanen und Slawen" von Pr.Dr. Helmut Schröcke
4.000 - 2.500 v.Chr
Mittlere Steinzeit:
Knochen-Kultur-Kreis
Jüngere Steinzeit:
Steinwerkzeuge +
Knochen + Holz
Memel-u. Narwa-Kultur: Alteuropäisch, NICHT indoeuropäisch
Religion: Matriarchat, Erdgöttin, vergleichbar mit griech. Götterwelt, Vergottung der Erde, Landschaft, Schlangen, Kröten, Schaf, Ziege
Siedlungsplätze: Haselnussstrauch (laxte, lagzde, lazdynas) wegen der Nahrung
Kur.Nehrung: Knochen- + Geweihhaken
Memel-Schmelz: Bearbeiteter Bernstein
2500-1700 v.Chr. Ausbreitung der Indogermanen in Mitteleuropa; Trichterbecherkultur in Nordeuropa Felskammergräber in Westeuropa
2.500 v. Chr
Ende d. Steinzeit
Indogermanische (indoeuropäische) Kulturkreise in der frühen Bronzezeit nach L.Kilian, Bonn) Karte und in der jüngeren Bronzezeit Karte
Rückwanderung von Indoeuropäer aus Zentralasien, damit zusammenhängend andere Kulturtechniken: Baben mit Trinkhorn wie in Zentralasien + Persien, Kugel-Amphoren
Religion: Patriarchat, Vergottung v. Pferd, Stier, Himmel- u. Himmelskörpern
Vermischung mit vorhandenen Menschen.(Nachweise durch Knochenfunde: schlanker)
Sprache: Ähnlichkeit mit Sanskrit + Latein (Urbaltisch)
Handelsbeziehungen mit Griechenland (Bernstein)

Kultur: Ähnlich der der Kelten.
Bevölkerung: Versch.Stämme; z.B. in Küstennähe die Kuren und Prussen, östlich davon
litauische Stämme wie die Schameiten und Aukstaiten.
Prußen, *Kuren, Letten, ähnliche Kulturen wie Kelten
Ostbalten: Litauer, Szemaiten, Letten (Kultur mehr wie Finno-Ugrier)**
Besiedlung: Dichter, besonders auf Nehrung

*näheres siehe unter 11 Bevölkerungsgeschichte | **Finno-Ugrier= Sprache der Jäger u. Sammler
+++siehe auch unter 04 All.Geschichte/Frühgeschichtliche Entwicklung
1.500 v.Chr
Bronzezeit, Hügelgräber
Leichenfunde in Hockerstellung
Mitteleuropäische Expansion, kam aber im Memelland sehr geschwächt u. verspätet an
Metallkultur im Austausch mit Bernstein
1.000 v. Chr
Jüngere Bronzezeit/ Frühe Eisenzeit
Zeit der Urnenfelderkulturen in Europa.
Totenkult: Leichenverbrennung, Asche in Tongefäßen, Gefäßdeckel mit Löchern, damit die Seele entweichen kann.
Pfahlbauten: kam im MEMELLAND nicht an.
Kulturwelle: "Lausitzer Kultur"- Buckelurnen und Gefäße mit Riefelverzierung - in Mittel-Ost-Europa.
500 v. Chr Beutezüge der Skythen, Einfluss Latène-Kultur
Noch kein Eisen im Memelland
200 v. Chr - 500 n.Chr Expansion der Germanen bis an Weichsel.
Eindringen von Slawen und Goten, reger kultureller Austausch und Aufschwung - auch
im Memelland.
Handel: Mit Rom (Münzen-, Glas-, Emaillefunde, Metallimport) Skelettgräber (Weichsel-Einfluss)
siehe auch zur Slawentheorie
500 - 800 n.Chr
Völkerwanderung
Slawen drängen nach Norden ins Ostbaltikum.
Eindringen der aus Schweden kommenden Wikinger auch ins Memelland.
Differenzierung Memelgebiet - Altpreußen:
Handelsbeziehungen nach Süden zwischen abgewanderten Goten + Balten reißen nicht ab. Nach Abwanderung der Goten Aufspaltung der Balten in verschiedene Stammesgebiete mit unterschiedlichen Kulturen. Sog. Dekadenzperiode trifft NICHT auf das Memelland zu. Statt dessen starke Eigenentwicklung im Memelland bis in jüngste Heidenzeit.
700 n.Chr



Das Memelland orientiert sich nach Norden.
Memelland-Kultur (man bleibt im Gegensatz zu Altpreußen bei der Hockerbestattung, erst im 9.-10.Jh. kommt durch skandinavischen Einfluss die Leichenverbrennung. Die Memel-Kultur weitet sich nach Osten aus.
850-1000 n.Chr
Wikingerzeit
Dänische Einfälle bei den Kuren
Die Südgrenze des baltischen Stamms der Kuren ist die Sziesze im Raume Heydekrug.Südlich davon siedelten die prußischen Stämme der Schalauer und Samen.
Kuren machen ihrerseits Beutezüge bis Dänemark + Island (Island Saga)
Schalauer: Feindseligkeiten mit Dänemark, gegenseitiger Menschenraub
10.Jh.+11. n.Chr Feindseligkeiten hören auf, statt dessen reger Handel und kulturelle Anregungen:
-Bronzeschmuck fast barock und bizarr, deutet auf regen Erfindergeist
-Wikinger-Kämpfer setzten sich als Kaufleute im Memelland nieder
-Schalauer unterhielten Heiratsbeziehungen mit Dänemark (König Knut, 854 n. Chr literarische Quellen der Dänen)
Memelländische Eigenkultur in höchster Blüte, geprägt durch starken skandinavischen Einfluss
1226 Der polnische Herzog Konrad von Masovenien holt sich den den Deutschen Ritter-Orden: zur Hilfe, um die prußischen Stämme zu "christianisieren".
Die Prußen wurden geschlagen aber nicht ausgerottet. Es ist Belegt das um 1400 noch die Häfte der ländlichen Bevölkerung prußisch war.  Martin Roussellen sagt..
Die litauischen Stämme widerstanden den Attacken des Ritter-Ordens besser, weil sie im Gegensatz zu den Prußen nicht in einzelne Stämme zersplittert waren, sondern Territorialfürsten unterstanden und politisch gemeinsam handelten.
1229 Papst Gregor IX verbietet gotischen Kaufleuten den Waffenverkauf an die Heiden, weil sie die gegen die Orden einsetzen. Ungleichheit der Waffen war für die Orden von Vorteil: Prußen mit Holzkeulen gegen Metallwaffen.
13. Jh.
Allgemein
Kuren: Schiffsbau entwickelt sich. Wikingerschiffe sind Vorbild für Kurenkähnen. Wegen feuchter werdenden Klimas wandern die memelländischen Südkuren ab nach Lettland zu ihren nordkurischen Stammesbrüdern.
Wikingerhäfen: Gefahrlose Plätze wie das Kurische Haff (kurischer Name für das Haff: "Memele") und Russ (kurisch: "Ort, der umströmt ist"), dort auch Wikinger-Kolonien
Frauengräber: Weisen auf sorgfältige Körperpflege, besonders der Haare
Männergräber: Männer tragen langes Haar. Memelländische Männer tragen bis ins 20.Jh. den Spitznamen "die Langhaarigen".
Schmuck: Massig u. schwer
1252 Errichtung der ersten hölzeren Burg Memel durch den livländischen Ritterorden.
Burg und Dom sollen Sitz des Bischofs von Kurland werden.  Gleichzeitig sollte die Verbindung zum Deutschen Orden gesichert und die Waffenlieferungen durch die Skandinavier an die litauischen Stämme unterbunden werden.
Verbindung zum Zentrum des Deutschen Ordens an der Weichsel sollte gesichert werden.
1253 Nach Zerstörung der Holzburg durch die Schameiten, wird Ende des Jahres eine feste Burg fertig gestellt. Die Stadt ist in ihren Anfängen vorhanden.
1254 Städte wie Lübeck u. Dortmund wurden gebeten, ihre Stadtrechte zu übersenden.
1257/58 Memel erhält lübisches Recht. (Erst 1475 bekam Memel wie die übrigen preußischen Städte das Kulmer Recht (kölmisches). Szemaiten brannten die Stadt mehrfach ab.
Das 14.-15. Jahrhundert
14. - 15. Jh 1328 werden Burg und Stadt Memel mit dem dazu gehörigen Gebiet vom Livländischen Orden an den Deutschen Orden abgetreten.
Mit Einführung des Christentums hören Bodenaltertümer auf. Statt dessen schriftliche Zeugnisse, die vom Sieger geschrieben wurden.
Ursache liegt im Unterschied zwischen christlichem und heidnischen Glauben und Totenkult:
-Heilige Perkunas-Wälder werden gerodet
-Tote müssen ohne Beigaben bestattet werden
-Grabhügel (damit die Seele besser zu den Göttern kann) werden verboten, statt dessen eingezäunte Friedhöfe mit Reihengräbern
-Verbrennung wird verboten, statt dessen Skelettbestattung (Man hilft sich auf der Nehrung, indem man die Leichen mit brennender Holzkohle überschüttet; Neuhaus/ Pillkoppen u. Rossitten)
-Grabtafeln werden verboten (Man hilft sich, indem man sie mit christlichen Symbolen anreichert)
-Pferdebestattung wird verboten
Ein unbewußtes Heidentum hält sich im Memelland, besonders bei den Kuren bis 1945.
Zum Berg Rombino pilgerten noch im 19.Jh. die Bewohner der Umgebung hin, um Schutz vor Krankheit und Fruchtbarkeit der Felder von den alten Göttern zu erflehen.
Kuren wandern ins Memelland zurück, haben aber ihre eigene Sprache verloren und sprechen jetzt:   lettisch-kurisch = nehrungs-kurisch.
1410 Schlacht von Tannenberg (poln.=Grunwald, lit.=Zalgris):
Die Heere der seit 1386 vereinigten litauischen und polnischen Reiche konnten den Deutschen Ritterorden vernichtend schlagen.
1419 Die Kirche von Russ soll an der Stelle, an der eine Kapelle des Ordens stand, errichtet sein. Der Turm der Kirche trägt die Jahreszahl 1419.
Durch Hochwasser (Schaktarp) und Brand mußte im Laufe der Zeit das Kirchengebäude immer wieder aufgebaut werden.
1809 wurde das Kirchenschiff in seiner heutigen Form errichtet.
Bei Kriegsende nur noch als Ruine vorhanden, wurde die Kirche in jüngster Zeit wieder instandgesetzt und es finden dort wieder Gottesdienste statt.
1422 Friede vom Melnosee: Die Sieger von Tannenberg diktierten den Frieden, in dem die Grenze zwischen Litauen Polen und dem Orden festgelegt wird.
Hierbei erhält Litauen das kurische Polangen /Palanga (kurisch: am Sumpf) und erstmals Zugang zur Ostsee.
Spätesten ab diesem Zeitpunkt war das Memelland bis 1945 unangefochten Bestandteil Preußens, lediglich durch die Besetzung Litauens wurde diese Zeit von 1913 bis 1939 unterbrochen
Memelland:
Kultur
Im Memelland hat seit ca 700 n. Chr kaum Bevölkerungswechsel stattgefunden: -Fortlaufende Belegung der Friedhöfe
-Formenschatz gleichbleibend, jedoch Anregungen aufnehmend
-Bei Konflikten u. Kontakten kein Kulturabbruch wie in Altpreußen -Beibehaltung versteckten Heidentums bis 1945
Deutliche Unterschiede zu Alt-Litauisch: Bestattungsbräuche, Schmuck, Fibeln usw.
kurisch: Südliche Grenze bis zum Minge-Fluss. (kurisch: Dange = gebogen; Klaipeda = Flachgrund; Memele/ Mümmel = Haff
Sprache prußisch-schalauisch: Südlich der Minge, beidseits der Memel u. des Memeldeltas (prußisch: Russ, rusne = umflossen; Tilsit, tilszus = sumpfig; Ragnit, ragas = Horn, Landzunge, Hereinragendes) Nach Grabfunden den Alt-Kuren zuzuordnen, linguistisch Zwischenstellung zwischen prußisch, kurisch u. und szemaitisch
Durch Zuzug von Handwerkern und Kaufleuten aus verschiedenen Teilen deutscher Landschaften wird immer mehr deutsch gesprochen.
Das 15.-16. Jahrhundert
Litauer
im
Ordensland:
Bereits im 13. und 14 Jh.kommen christianisierte Litauer schon in das Ordensland. Zunächst vereinzelt und namentlich gekennzeichnet als Littau, Litwinas, Szemait, Zameit usw (in einer Zeit, als man mit Vornamen noch auskam).
Eine stärkere Einwanderung erfolgte ab der zweiten Hälfte des 15.Jh. aus wirtschaftlichen und politischen Gründen.
Der Orden und später auch das Herzogtum sowie das Königsreich Preußen nahmen sie mit offenen Armen auf, da durch Krieg und Pest ganze Dörfer entvölkert waren.
Litauische Bevölkerung in manchen Dörfern bis zu 70%.
1456/57Danziger plündern die Stadt Memel und verschütten die Dangemündung
1464Königsberger, Danziger und Elbinger plündern Memel.Grund dieser Überfälle ist Handelsneid gegenüber der aufblühenden Stadt.
1511In einer Urkunde vom 25. Februar über den "Krug auf der Heyde gelegen" erfolgt die Verleihung desselben an Georg Talat. der Urkundentext
(Die Geburtsstunde der späteren Stadt Heydekrug)
1520Drei Danziger Kriegsschiffe legen Feuer an die Stadt, die zur Häfte abbrennt.
Außerdem versenken sie eine Schiffsladung Steine in der Dangemündung, die bis 1814 die Schiffahrt stark behindert.
1525Die Reformation zieht ins Memelland ein.
Litauische
Sprache
Lutherische Lehre (das Wort Gottes in der Muttersprache künden) und geistige Freizügigkeit brachte es mitsich, daß auch die nichtdeutschen Minderheitssprachen, wie z.B. Litauisch in Preußen eine Schriftkultur erhielten.
So wurde das erste litauische Buch 1547, die erste litauische Bibelübersetzung 1590 und die erste litauische Grammatik 1653 in Ostpreußen gedruckt.
Litauische Historiker leiten von diesen Vorgängen Ansprüche Litauens auf Ostpreußen ab !
1560Bau der ersten Kirche in Willkischken.
Wurde 1758 von Russen zertsört und 1770 wieder aufgebaut.
1896 durch einen masiven Neubau mit 45 m hohen Turm ersetzt.

( weiters unter "www.willkischken.de")
1568Durch Herzog Albrecht wird in Koadjuthen ein Kirchlein errichtet
1772 und 1801 erneuert, 1946 zerstört. wird heute wieder als Kirche genutzt.
1574Auf Befehl von Herzog Albrecht erhielt auch Piktupönen eine Kirche, die 1744 mit hölzernen Turm neu errichtet wird. (zerstört)
1580Die Königsberger erwirken eine Verfügung gegen den Memeler Hafen und gegen den Schiffbau.
1583 Memel kann freie Schiffahrt und Reederei zurück gewinnen
In Ruß wird die Pfarrkirche wieder aufgebaut.
Ende 15. Jh. Orden deckt litauische Flüchtlinge gegen ihre polnisch-litauischen Adelsherren und liefert sie nicht aus.
Litauer nachweisbar vom Orden angesiedelt. Zustrom der Litauer u. Szemaiten hält an bis in die russisch-litauische Zeit. Preußische Litauer lassen ihre Kinder lutherisch taufen, damit sie bessere Bildungs- u. Karriere-Chancen haben.
Litauische Bevölkerung in manchen Dörfern bis zu 70%.
In Litauen wird die Sprache nur noch von der Unterschicht gesprochen.
Deshalb unterstützt Herzog Albrecht den Druck von Büchern für Litauen.
Die litauische Sprache wird mit Hilfe der prußischen Sprache rekonstruiert.
Predigten werden in Ostpreußen bei Bedarf in Litauisch gehalten.
Litauische "Nationalheilige" wie Christian Donelaitis war Untertan von Friedrich . Großen + Pfarrer von Tollmingkehmen/ Goldap.
Simon Dachs Vater war Baumeister in Memel + Dolmetscher für Litauisch Kirchen in Memel dienten zunächst der kurischen, später der litauischen Bevölkerung.
Das 17.Jahrhundert
  Einfall der Schweden: Großer Kurfürst kommt persönlich über das Eis des Haffes. Er richtet Botenkurse 2x wöchentlich zwischen Memelland und Süden ein. Route über Nehrung- Königsberg- Berlin- Kleve am Rhein
Der reformierte Fürst siedelt Niederländer, Schotten, Engländer u. Hugenotten in Memel als Kaufleute an.
Die früher für das Weichsel- u. das Königsberger-Gebiet angeworbenen Friesen werden für die Niederung u. das Memelland angeworben, um auch dort Sümpfe trocken zu legen und landwirtschaftliche Stellen zu schaffen.
Alle Einwanderer dürfen eigene Kirchen unterhalten: "Suum cuique" = "Jedem das Seine" oder (unter Ordenszeiten) "Gerechtigkeit gegen Jedermann".
Preußen wird zum ersten modernen Rechtsstaat des Kontinents.
1605Am 29.Juli wird Simon Dach geboren
1627Stadt und Burg Memel werden stärker befestigt, doch konnte dies nicht verhindern, daß von 1629 bis 1635, während des "Dreißigjährigen Krieges", die Schweden Stadt umd Umland besetzten und einäscherten.
1678Die Schweden greifen Memel erneut an, die Stadt brennt erneut ab. Burg und Zitadelle können sich behaupten. Die schwedische Armee rückt bis an den Memelstrom vor.
Rauchende Trümer , eingeäscherte Ortschaften bezeichnen den Weg der Schweden.
1681/83Bau der "Reformierten Kirche" in Memel, geht 1854 beim "Großen Brand" ebenfalls in Flamen auf. Neubau erfolgte 1859
1688/97Bau der letzten uns bekannten Kirche in Prökuls
1695Plaschken erhielt seine erste Kirche, 1757 durch Russen zerstört, wieder erbaut, 1900 durch einen romanischen Neubau ersetzt. (heute noch vorhanden.
sie auch unter "Chroniken der Ortschaften"
Das 18 Jahrhundert
 Durch Seuchen und kriegeriscvhe Handlungen sind in ganz Ostpreußen weite Landstriche und ganze Ortschaften entvölkert.
Der tolerante preußische König Friedrich Wilhelm I. rief Siedler ins Land.
So bot er u.a. im Jahre 1732 17000 Salzburgern die des Glaubens wegen vertrieben wurden, eine neue Heimat.
Außerdem wanderten zur gleichen Zeit 1000 Protestanten aus der Schweiz, Hugenotten aus Frankreich, über 13000 Menschen aus Mittel- und Süddeutschland, etwa 3000 Mennoniten aus Kulm und über 5000 Holländer, Polen, Schotten und Engländer in Ostpreußen ein und ließen sich zum Teil auch im Memelland nieder.
Aus dieser multikulturellen Gesellschaft und den Resten der Pruszen entstand der ostpreußische Menschenschlag.
1704Neubau einer Kirche in Kinten, nachdem die Kirche von Windenburg 1702 einstürzte.
(noch vorhanden)
1708 Beginn der großen Pest im Memelland: wütet unter der durch Mißernten halbverhungerten Bevölkerung furchtbar.
1710 starben z.B. wöchentlich etwa 600 Menschen.
Allein Memel mußte 2000 Tote beklagen

Kurland u. Litauen von 1795-1915 Teil Russlands.
1709/10Russische Truppen stehen in Polen u. Litauen und bestimmen den politischen Kurs, den auch Memel zu spüren bekommt.
1717 Friedr. Wilh. I (Soldatenkönig) führt allgemeine Schulpflicht für Jungen u. Mädchen ein.
1734/37Bau einer massiven Kirche in Wischwill anstelöle der der alten Kirche aus dem 16.Jh. (Kirche heute nicht mehr vorhanden)
1750 Die Schulpflicht hat sich Landweit durchgesetzt.
1757 Am 20.Juni fielen Kosaken in Nimmersatt über die preußische Grenze ein. 30.000 Russen wüteten grausam, konnten schon am 4.Juli die Festung Memel zur Aufgabe zwingen, 110 Häuser wurden zerschossen. Trotz Zusicherung freien Geleites werden preußische Soldaten nach Russland verschleppt. Auf der Nehrung und an der Küste werden die Eichenwälder von den Russen abgeholzt.
1758-1762 Kaiserin Elisabeth v. Russland annektiert im Rahmen des 7-jährigen Kireges (1756-1763) Ostpreußen und damit auch das Memelland. Die Russen bringen Flecktyphus mit, an dem im Hauptamt Memel 8.000 Menschen sterben. Trotzdem wird mit den Russen kollaboriert, weil sie ein flottes Leben führen. Trotzdem werden brav alle Abgaben an Friedrich den Großen gezahlt.
1770 Friedrich der Große gibt die Festung in Memel auf, sie wird geschliffen.
1776Wurde durch memeler Kaufleute die St. Johannes-Loge "Memphis" gegründet, Logenheim bis 1919 in der Alexanderstraße hinter der Post
1784 1782 wurde in Memel an der Grenze der Vitte mit dem Bau einer Holzkirche begonnen. Die Kirche für die katholische Bevölkerung erhielt am 11. Mai 1784 die Weihe zur heiligen Dreifaltigkeit.
Das 19 Jahrhundert
1802 Das preußischen Königspaar Friedrich Wilhelm III. und Königin Luise halten sich vom 8.Juni bis 16.Juni in Memel auf und treffen dort mit Kaiser Alexander von Rußland zusammen.
1806 Memel ist die einzige preußische Stadt, die nicht von Napoleons Truppen besetzt war.
1807/08 So verlegt der preußische König die Residenz nach Memel.
Das Königspaaar wohnt, wie bereits 1802, in dem Patrizierhaus von Friedrich Ludwig Consentius in der Luisenstraße.
Die Prinzen wohnten im Hause von Argelander (heutiger Standort der Post).
Memel hat 5080 Einwohner. Die Wohnungsprobleme für Hof und Militär sind erheblich, auch wenn die Stadt davon profitiert.
Der Schmuggel blüht wegen Napoleons Kontinentalsperre. Trotzdem gibt es viele Arme und Bettler. Die Kirchen werden Lazarette.

Die Lage wird unter der Präsents napoleonischer Truppen um Memel herum für das Königspaar so bedrohlich, dass eine Emigration nach Russland erwogen wird.

1808 wird die Residenz des Königshauses wieder nach Königsberg verlegt.

Im Oktober des Jahres wurde in ganz Preußen die bäuerliche Erbuntertänigkeit (Leibeigenschaft) abgeschafft.
1812 Memel wird im Juni von preußischen Truppen als napoleonische Hilfstruppen besetzt.
Im Raume Memel konzentriert Napoleon unter Leitung General York weitere Truppenverbände gegen Russland.
Preußen und Franzosen legten um Memel Befestigungen an, u.a. eine Batteriestellung in Süderspitze.
Am 31.August maschierten 1200 Franzosen in die Stadt ein. Im Hafen lagen preußische und französische Kanonnenboote.
Am 26.Dezember verbündeten sich die Memeler noch vor Yorks mit den Russen, die kampflos in die Stadt einrücken, nachdem sich die Franzosen zurückgeogen hatten.*
* Ausführl.in Kurschats "Buch vom Memelland"; Kapitel-"Das 19.Jahrh."
Die Abholzung der Wälder durch die Russen im siebenjährigen Krieg ließen das Gebiet nördlich der Stadt zu einer Sandwüste werden.Der König schenkte der Stadt das gesamte Terrain, mit der Auflage, es wieder zu bepflanzen.
1815 Memel erlebt wirtschaftliche Aufschwung
1816 Das Gebiet nördlich der Memel wird vom Regierungsbezirk Gumbinnen gelöst und dem Gebiet Königsberg zugerordnet.
Das Stadtgebiet Memels umfaßt zu der Zeit: die Altstadt, Friedrichstadt, Neustadt und das Kämmereidorf Sandwehr nördlich der Bommelsschen Vitte*. Auch die Amtsvitte (Gebiet der Holzstraße) bildet eine eigene Kommune. *(Bommels-Vitte siehe auch unter Chroniken der Ortschaften)
An der Börsenbrücke in Memel entsteht ein Postgebäude (die alte Post)
1818Am 1.Sept. trat die neue Kreisorganisation in Kraft. Heydekrug wird Kreisort.
1820Memel erlebt einen wirtschaftlichen Aufschwung.
siehe hierzu auch unter "Überblick/die Memellandkreise/Memel-Stadt"
1831 Cholera in Heydekrug
1834 Bau der Nordermole.
Gründung des Landwirtschaftlichen Vereins (Anschaffung u. Erprobung von Maschinen, Tierschauen, Pferderennen, Geselligkeit
1841 1. Dampfschiff auf der Memel.
Baptisten faßten in Memel Fuß und bauten eine Kirche am Neuen Park neben dem Luisengymnasium. (noch heute vorhanden)
1842 1. Käsefabrik (Schweizer Siedler brachten das Wissen mit)
Chausseebau Memel-Tilsit (kommt lange Jahre nur schrittweise voran)
1844 Erste Apotheke in Prökuls
1845Als Rathaus für die Stadt Memel wurde das Consentiussche Anwesen in der Börsenstraße gekauft.
Bau des Gerichtsgebäudes in Heydekrug.
1847 Erster Landbriefträger, 2x wöchentlich
1848 Auswirkungen der Revolution in Schmelz u. Prökuls
1848 bis 1880 Immerwieder Einschleppung der Lepra. Um Memel herum 36 Erkrankungen.
siehe auch unter 1897und 1899
1849Gründung der Zeitung "Memeler Dampfboot"
1852 Erster Kreisarzt nach langem Suchen
1853Am 1.Oktober wurde das letzte Teilstück der Chaussee Memel-Tilsit fertiggestellt.
1854 Am 4.Oktober bricht in einem Speicher, inmitten der Holzlagerplätze, ein Brand aus, der über die Hälfte der Stadt vernichtet.3000 Menschen werden obdachlos!
1855 Telegraphenverbindung Tilsit-Memel.   Ausbau des Winterhafens in Memel.
1856 Bernsteinfunde in Prökuls
1856/58In Memel wird die St Johanniskirche in der Marktstraße unter Benutzung der alten Mauern als dreischiffige gewölbte Hallenkirche neu errichtet.
Zu gleicher Zeit wird die 1686 in die Friedrich-Wilhelm-Straße verlegte alte Landkirche St. Nikolai neu erbaut. Nach der Abtrennung des Memellandes wurde sie zur Jakobuskirche. (beide Kirchen sind zerstört.)
1857 Synagoge mit Badehaus in Russ.  Das Kirchspiel Saugen erhält eine Kirche. (noch vorhanden)
Für das durch den großen Brand im Okt.1854 vernichtete Theater in Memel wird ein Neubau errichtet.
1860 Bernsteinbaggerei in Schwarzort auf industrieller Grundlage
Die ersten 4 Landbriefkästen.  Ab 1860 wird planmäßige Pferdezucht betrieben.
In Memel bau der Markthalle aus Holz durch den Kaufmann Wiener. Brannte aber 1892 wieder ab und wurde 1899/1900 massiv wiedererbaut.
Neubau eines Gerichtsgebäudes in der Holzstraße
1860/61 Bau der Gasanstalt
1862 1. Remonte-Markt in Prökuls (Pferde für das Militär)
Heydekrug erhält ein Telegraphenamt
Die evangelische Kirche in Dawillen wird eingeweiht. (noch vorhanden)

Memel: Am 10. August 1862 erfolgt die Grundsteinlegung für den Neubau der katholischen Kirche.
1863Am 2.8 wird die Anglikanische (Englische) Kirche in Memel Holzstr./Ecke Rosenstr. wird eingeweiht. (zerstört)
Der heute noch vorhandene Leuchturm in Windenburg ersetzt eine Bake.

Memel: Am 3. September 1863 ist die feierliche Weihe der neuen katholischen Kirche, die an Stelle der alten hölzernen Kirche errichtet wurde.
1866Die Kirche in Wieszen wird eingeweiht. (noch vorhanden)
Neue Befestigungsanlagen entstehen: das Plantagenfort (heute Sportstation), die Zitadelle (später "Aschhof") und das Wilhelmsfort in Süderspitze auf der Nehrung (heute Meeresmuseum)
1863-1873 Der König-Wilhelm-Kanal wird errichtet, um den Flößern die schwierige Umschiffung des Windenburger Ecks zu ersparen. (Erste Planung erfolgte schon 1765)
Kanalverlauf-Karte
1867/68 waren Notjahre, durch nasses und kaltem Wetter gab es schlechte Ernten. Der neu gegründetee "Vaterländischer Frauenverein" errichtet Notküchen
1869 1. Dampfdreschmaschine
1871 Demokratisches Wahlrecht: Allgemein, frei, gleich u. geheim (aber nur für Männer)*

*In der Reichsverfassung vom 16.04.1871 ist u.a.geregelt, dass der Reichstag aus allgemeinen und direkten Wahlen mit geheimer Abstimmung hervorzugehen hat.
Frauen sind allerdings bis 1918 (!) nicht wahlberechtigt.
In Preußen wurde bis 1918 (!) das undemokratische "Dreiklassenwahlrecht" zum Preußischen Landtag beibehalten.
nach 1871 Im Zeichen der Bismarck´schen Nationalismus und seiner Minderheitenpolitik kommen Spannungen zwischen Memelländern u. Litauern auf. (Analog zwischen Masuren u. Polen). In Tilsit werden "kleinlitauische" Kulturvereine u. Zeitungen gegründet.
Von der preußisch-litauschen Bevölkerung werden lediglich die kulturellen, nicht aber die politische Angebote akzeptiert.
Wegen des zu großen kulturellen u. politischen Unterschieds und wegen der unterschiedlichen Religionen wird ein Anschluss an Litauen abgelehnt!
Aus dieser Bewegung entsteht der heutige "Kleinlitauische Rat"(siehe 1879).
Der Begriff "Kleinlitauen" ist nicht korrekt, weil es ein "Großlitauen" nicht gab. Litauen war "Russisch-Litauen" und russisch unterjocht, während "Preußisch-Litauen" zu Preußen gehörte und die preußisch-litauische Bevölkerung loyale preußische Untertanen waren, die alle Rechte genossen!
1874 Bau der Kaiserlichen Post
1875 Nidden Leuchtturm
Tilsit Memelbrücke
Anbindung Memels an das Eisenbahnnetzes über Heydekrug, Pogegen, Tilsit
1878Schmalleningken erhält eine Kirche. (zerstört)
1879 Gründung "Littauische litteräre Gesellschaft" in Tilsit, aus der der "Kleinlitauische Rat" hervorgeht.
1881 Erziehungsanstalten in Bachmann und Gropischken für elternlose Bettelkinder
Sozialgesetzgebung
In Memel Bau von Luisen-Gymnasium, Hotel Viktoria, Rathaus
1882 Bahnhof in Memel
1884 Trakseden Torfstreufabrik (noch im Betrieb)   Memel Kreisheilanstalt
1884/85Bau der Kirche in Schwarzort, nachdem die alte Holzkirche abgebrannt war. (noch vorhanden)
1886Rucken erhält eine Kirche. (siehe unter "09.03 Kirchenchroniken/110 Jahre ev. Kirche in Rucken")
1887 Weiterer Ausbau des Straßennetzes
Kirche in Laugßargen wird erbaut.
 noch vorhanden
1888Einweihung der Kirche in Nidden(noch vorhanden)
Fertigstellung des Kreiskrankenhauses am Steintor in Memel
1891Bau des Luisen-Gymnasiums in Memel
1892Die Eisenbahnstrecke von Memel nach Bajohren wird fertiggestellt.
1893 Neue (gotische) Post in der Alexanderstraße wird bezogen.
Memel erhält Navigationsschule
1894 Bommelsvitte Fischereihafen am Walgum
1895 Epidemie einer ägyptischen Augenkrankheit.
In diesem Jahr gab es noch 470 erkrankte Kinder im Landkreis Memel.
1896Das Kirchspiel Plicken erhält eine Kirche.  (noch vorhanden)
1897 Auf veranlassung von Prof.Dr.Robert Koch wurde der Bau einer Lepraheimes beschlossen.
Landwirtschaft: Gründung Raiffeisen-Darlehenskassen,
verbilligte Angebote Düngemittel, Saatgut, Fischnetze.
1899Paleiten erhält eine der schon erwähnten Jubileumskirchen. (zerstört)
Einweihung des Lepraheims in der städtischen Plantage.
Bei der Einweihung im Juli 1899 wurden 15 Kranke aufgenommen.
1944 waren noch mehr als 10 Kranke anwesend. Sie wurden im Oktober 1944 kriegsbedingt nach Königsberg verlegt.
Das Lepraheim wurde zerstört.
hier mehr zur Verbreitung der Lepra im ML
ab 1900 Schwergewicht liegt auf dem Ausbau von Kleinbahnen
1900 - 1902 Perwelk erhält Leuchtturm
Bau der Südermole an der Nordspitze der Nehrung
Bau des städtischen Krankenhaus in Memel Parkstraße aus Mitteln des Kaufmanns Wiener. (nach ihm benannt die "Wieners Promenade")
1903 Pasziesen wird Kirchort und erhält ebenfalls eine der Jubileumskirchen
1. Motorkutter auf dem Haff
1903 In Mestellen wird eine Baptistenkapelle gebaut.
Gemeindemitglieder 130 Personen
1904 Nidden Hafendamm u. Mole
Auch Nattkischken erhält eine der zwölf ostpreußischen Jubileumskirchen. (zerstört)
Am 18.August wird in Memel der elektrische Straßenbahnbetrieb aufgenommen.
ab 1904 Planung von Meliorationarbeiten* (Entwässerung), Gründung von Entwässerungsgenossenschaften, Bau von Vorflutern u. Deichen
*Verbesserung der Bodenqualität
1906 Inbetriebnahme der Kleinbahnstrecken von Memel nach Laugallen und Plicken.
1907Die Königin Luise Brücke über den Memelstrom vor Tilsit wird nach dreijähriger Bauzeit vollendet.
Am 23.Sept. erschien Kaiser Wilhelm II zur Einweihung des Borussiadenkmals in Memel.
1908 In Memel wird die alte hölzerne Karlsbrücke durch eine moderne , elektrisch betriebene Klappbrücke ersetzt.
1909 Die Kirche von Kairinn wird eingeweiht. (zerstört)
Gleichzeitigt Bau der Kirche in Wannagen.

siehe auch unter 09.03 "Kirchenchroniken/Kirche Wannagen")
1911 Die Kirche in Karkelbek wird geweiht. (zerstört)
Landwirtschaft: Körordnung , Milchkontroll-Vereine,
Prökulser Schafe sind Qualitätsbegriff, Schafzucht im Rückgang
1908 -1911 Bau des Königlichen Lehrerseminars, des Auguste-Viktoria-Lyceums als modernste Schule des Reiches (heute Konservatorium), der Kasernen (heute Universität)
1912/13Bau der Kleinbahn Heydekrug - Kolleschen.
1913 Entwässerung des Iszlusze-Moores, Schaffung von Siedlerplätzen
1914 Der Landrat erhält ein Dienstauto
1914/18 1.Weltkrieg. März 1918 Friede von Brest-Litowsk:
-Litauen erhält von Deutschland u. Russland das Selbstbestimmungs-Recht und wird als eigenständiger Staat anerkannt.
1918 "Kleinlitauische" Aktivisten gründen den "Nationalrat der Kleinlitauer" und fordern den Anschluss an Litauen.
1919 -Litauen fordert das Memelland als "urlitauisches" Gebiet.
-Polen fordert ebenfalls das Memelland.
1920 Am 9.Januar trat der Versaillervertrag in Kraft. Das Memelland wurde von Deutschland abgetrennt und den alliierten und assozierten Siegermächten unterstellt. Eine kleine französische Besatzung unter General Odry kommt nach Memel
Solange die Möglichkeit einer polnisch-litauischen Konföderation besteht, unterstützt Polen die Bemühungen Litauens um das Memelgebiet. Polen konnte deshalb im Baltikum so aktiv werden, weil die wirtschaftlichen u. politischen Aktivitäten Deutschlands u. Litauens eingeschränkt waren.
Litauen wurde wegen des nicht-gelösten Wilna- Konflikts rechtlich nicht anerkannt.
Als Folge der Abtrennung wird ein neuer Kreis "Pogegen" gebildet
1921 Die "Arbeitsgemeinschaft für den Freistaat Memel", die auf Initiative des "Deutsch-Litauischen Heimatbundes" gegründet wurde, veranstaltet eine Befragung:
Von 71.856 Wahlberechtigten sprechen sich 54.429 für einen Freistaat aus (also gegen eine Einverleibung nach Litauen)
1922 Litauen beginnt Planung einer militärischen Besetzung des Memellandes.
Stadt Memel ist zu 93% deutsch; im Memelgebiet machen jedoch die Preußisch-Litauer 63% der Bevölkerung aus. Trotzdem wollen sie keine Verbindung zu den rückständigen u. katholischen Russisch-Litauern.
Ministerpräsident Galvanauskas informiert der deutschen Botschafter, das Memelland zu besetzen. Deutschland signalisiert Zustimmung (um die Litauer im Widerstand gegen Polen zu stärken).
Galvanauskas beginnt "Operation Memel" zu planen und zieht den litauischen Schützenbund hinzu. Simonaitis war gerade von der Botschafterkonferenz in Paris zurückgekommen und berichtet von dem Beschluss einen Freistatt zu errichten. Er erklärt, den Litauern, dass Memelländer praktische Materialisten seien, sich passiv verhielten und niemals einen Aufstand initiieren würden.
Die Litauer beginnen im Memelgebiet den Aufbau örtlicher Schützenverbände.
Eine Rolle spielt dabei der "kleinlitauische" Verband "Santara". Es waren geheime litauische Ortsgruppen, mit dem Ziel, das Nationalbewusstsein der "Kleinlitauer" zu stärken, sie zu "befreien" und "mit dem großen Bruder natürlich zu vereinen".
Gründung eines Memeler Schützenbundes unter der Leitung Kumietis aus Kaunas.
Die Litauer erhalten von Deutschland 1500 deutsche Gewehre u. 5 leichte Maschinengewehre u. viel Munition zu günstigen Bedingungen. Galvanauskas zahlt aus einem geheimen Fond.
Beim Aufmarsch der litauischen Kämpfer mischt sich deutsche Polizei nicht ein.
1923

Beim Aufmarsch nahmen kaum Einheimische teil. Budrys, ein Landwirt aus Pogegen lehnte die Leitung des Aufstandes ab. Povilaitis nahm später dessen Namen an, um sich als Memelländer auszugeben.
Die wirtschaftliche Situation in Litauen war günstig. Wegen der Inflation freute man sich in Litauen, dass die Abwertung der deutschen Mark den Anhängern an Litauen mehr Zulauf bringen würde als die beste Agitation. Im Memelland stieg der Brotpreis, das Warenangebot war knapp, so dass die Memelländer die Einführung des Litas begrüßten.
Nach Bekanntwerden des Freistaat-Status beschloss Galvanauskas die Vorbereitungen für den Einmarsch. Das "Komitee zur Rettung Kleinlitauens" verteilte Flugblätter in deutscher Sprache "gegen eine Umwandlung des Memelgebietes in eine polnische Kolonie", man solle "das kleinere Übel" Litauen wählen.
Hauptaufgabe der litauischen Schützenverbände war es, die Teilnahme der litauischen Armee am Aufstand zu verschleiern.
Zahl der litauischen Kämpfer: 2.000 - 3.000 Soldaten (viele falsche Zahlen im Umlauf) Zahl der französischen Verteidiger: 200 Soldaten mit 20 -25 Maschinengewehren Litauische Kompanien werden mit der Eisenbahn an die Grenze des Memelgebietes gebracht. Im Zug erst zieht man Zivilkleidung an, die allerdings einheitlich ist. Für einige Soldaten reicht die Kleidung nicht, so dass sie aussteigen müssen.
Galvanauskas Befehl: Höflicher Umgang, kein Plündern, Trinken und keine politischen Reden. Litauische Dokumente sowie alle Dinge, die Hinweise auf die litauische Identität geben könnten (Streichhölzer, Tabak) in Litauen lassen.
Flugblätter in deutscher Sprache strotzen vor Barbarismen u. Germanismen, so dass daraus zu schließen ist, dass sie von Litauern verfasst wurden (so wie heute auch die touristischen Prospekte) Litauer kommen ins Memelland, zuerst nach Heydekrug, weil dort die Bevölkerung einen größeren preußisch-litauischen Anteil hat als in Memel. Bevölkerung verhält sich trotzdem passiv. Befehl von Kaunas, Memel zu besetzen (von Süden her)
Einmarsch in Memel. Nur die Kasernen bleiben in französischer Hand.
Zahl der Toten wird von Litauern stark übertrieben. Tatsächlich 10 Litauer, aber auch 2 Franzosen u. 1 deutscher Gendarm
-Reguläre Truppen werden nach Litauen zurückgeführt
-Die litauische Regierung "bedauert", dass sie den memelländischen Aufständischen nicht habe helfen können
-Polovinskas stellt eine Armee aus litauischen Schützen u. memelländischen Freiwilligen auf. Die Memelländer treten mehr aus pragmatischen Gründen bei, denn es wird ihnen ein Lohn von 2 Litas/ Tag gegeben, was auch in Kaunas negativ vermerkt wird.
-Litauische Reguläre werden alle 3 Wochen ausgetauscht, denn es sind meist Szemaiten, die vom litauischen Kommandeur abfällig als "Schmuggler" bezeichnet werden.
-Um die wahren Umstände international zu kaschieren, verbreitet die litauische Nachrichtenagentur, dass weder reguläre noch irreguläre Truppen die Grenze zum Memelgebiet überschritten haben. Für Litauen war die Besetzung des Memellandes ein mutiger Schritt, der ein staatsbildender Faktor war. Trotzdem wurden die Versailler Verträge gebrochen.
Die Litauer wollen das Geheimnis weiter wahren, weil sie meinen, dass es immer noch zu früh sei, es bekannt zu geben.
Die Botschafterkonferenz erkennt die Angliederung als Faktum an.
Die französischen Truppen (ausgerechnet Hochgebirgstruppen!) verlassen das Memelgebiet.
Deutschland war eine litauische Souveränität lieber als eine französische.
Die Memelländer können für Deutschland oder Litauen optieren.
Die meisten optieren für Deutschland und gehen nach Ostpreußen.
(Weniger als 600 von 150.000 optieren für Litauen).
Von 1923 bis 1937 wanderten 13000 Memelländer in das Deutsche Reich ab. In der gleichen Zeit wanderten 21000 Litauer in das Memelgebiet ein. Die restliche Bevölkerung des Memellandes erhielt litauische Pässe mit dem Eintrag "Bürger des memelgebiets" als Naationalitätsbezeichnung

1924 Trotz Industrialisierung und Hafenausbau kein wirtschaftliche Aufschwung erkennbar, aber ständig Spannungen und Konflikte mit Kaunas. Volkstumskampf.
 Bei den Wahlen (6 in 13 Jahren) für den memelländischen Landtag errangen die litauischen Parteien immer nur zwischen 2 - 5 von 29 Sitzen.
1926 Vom 17.Dezember 1926 bis November 1938 blieb über das Memelgebiet der Kriegszustand verhängt.
Einweihung der ev. Kirche von Heydekrug.
(noch vorhanden)
1929Anstelle des 1900 erbauten bescheidenen Kirchleins erhält Ramutten eine neue Kirche.
(noch vorhanden)
1930 Einweihung der Herder Schule in Heydekrug.
1933Zwei memelländische Parteien werden neu gegründet: die CSA (Christlich Soziale Arbeitsgemeinschaft) und die SOVOG (Sozialistische Volksgemeinschaft).Zu den Landtagswahlen schließen sich die Parteien zu einer Einheitsliste zusammen.1938 ensteht daraus der MEMELLÄNDISCHE KULTURVERBAND.
Der neue Kreisort Pogegen erhält eine Notkirche. 1938 wurde sie erweitert und mit einem Turm versehen.
 (noch vorhanden)
1934Verbot der Parteien im Memelgebiet.26 führende Mitglieder wurden verhaftet. Sie wurden im Dezember 1935 vom litauischen Kriegsgericht in Kaunas wegen angeblichen Aufstand zu hohen Strafen (sogar 4x zum Tod,aber nicht vollstreckt) verurteilt.
1938 Am 01.November Aufhebung des Kriegszustands, darauf hin am 11.Dezember erste freie Wahlen. Wahlbeteiligung 97%; deutsche Einheitsliste 87.2% (25 Sitze); litauische Listen 12,8% (4 Sitze)
Litauen signalisiert seine Bereitschaft mit Deutschland zu verhandeln.
1938Durch verstärkten Druck Polens auf Litauen, fand Litauen in Europa nur bei der deutschen Regierung eine Hilfszusage unter der Bedingung, das Memelland an das Deutsche Reich abzutreten.
Am 22 März wurden die Verträge unterschrieben. Deutsche Truppen marschieren ein. Hitler spricht in Memel und wird umjubelt.
Die Memelländer sehen nur ihre Befreiung verkennen aber die totalitären Strukturen.
1940 -Hitler lässt 40.000 Litauendeutsche aus der Litauischen Sowjetrepublik nach Deutschland umsiedeln (bzw. in besetzte polnische Gebiete)
-Tausende Memelländer mit litauischer Identität und deutsch-sprachige Linke werden nach Osten abgeschoben.
1941Am 27.September erhält Heydekrug endlich die Stadtrechte.
Das Memelland wird, wie ganz Ostpreußen, Aufmarschgebiet gegen die Sowjetunion.
Erster sowjetischer Luftangriff auf Memel.
1944 Memel und das Memelland werden von deutscher Zivilbevölkerung geräumt
Währen die Stadt sogut wie leer ist, kann die Landbevölkerung zum großen Teil mit Pferd und Wagen nicht rechtzeitig vor den Russen über die Flüsse entkommen. Die Sowjets erreichen bei Polangen die Ostsee und schneiden die Kurlandarmee ab.
1945 Die letzten Soldaten des Brückenkopfs Memel verließen am 28.Januar die Stadt, indem sie zur Nehrung übersetzten.
Die rote Armee besetzt Memel. Der sowj. Stadtkommandant kann nach vier Wochen nur 28 Deutsche in der Stadt registrieren.
Litauer beziehen die ehemals deutschen Höfe und Wohnungen des Memellandes.
Zurückkehrende Flüchtlinge finden ihr Eigentum besetzt und irrten zum Anfang ziellos umher.
1948Am 07. April wurde die Stadt und das gesamte Memelgebiet in die litauische Sowjetrepublik eingegliedert.
1987Nachdem bisher das Memelgebiet für jeden Reiseverkehr Sperrgebiet war, konnten jetzt erste zaghafte Reisen unternommen werden, nachdem sich der ,Eiserne Vorhang" zu heben begann.
1989Im November konnte die neugefertigte Bronzestatue des "Annchen von Tharau " nach Memel gebracht werden. Spenden der Memelländer (Ännchen-von Tharau-Verein) hatten es ermöglicht.
Die noch sowj. Stadtverwaltung hatte den Theaterplatz und den Simon-Dach-Brunnen wiederhergestellt. Es fand eine feierliche Enthüllung statt.
1991 Die entgültige Wende auch für Litauen,das wie alle baltischen Staaten seine Selbstständigkeit erhält.
FolgejahreMemelländer und viele weitere Organisationen unterstützen die Bewohner des Memellandes (heute: Klaipedos krastas) durch Hilfslieferungen der verschiedensten Art.
Es wird geschätzt, daß im gesamten Gebiet des Memellandes noch 6000 bis 8000 deutschstämmige Personen leben.
1992Das litauische Minderheitengesetz erlaubte nicht nur die Gründung des Vereins der Deutschen in Klaipeda/Memel und den Verein Heide in Silut/Heydekrug, auch wurde am 01. September 1992 die Hermann-Sudermann-Internatsschule Klaipeda/Memel als staatliche Schule gegründet. In ihr werden nur deutschstämmige Kinder aufgenommen. Aus dem Anfang mit 92 Schülern ist es bis 2004 eine Schule geworden, die bis zum Abitur führt und von knapp 500 Schülern besucht wird.
1999Die Zeitung der Memelländer, das "Memeler Dampfboot", kann sein 150jähriges Jubiläum im ehemaligen Dampfboothaus in der Stadt Klaipeda/Memel feiern.
2002Memelländer und die heutigen litauischen Bewohner feiern gemeinsam das 750jährige Stadtjubiläum.
2004 Beitritt zur Europäischen Union.


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